
Neue Notiz
The Secret Agent
Ingenieur im Untergrund
Zwei junge Historikerinnen hören Tonbänder von Interviews und Verhören aus der Zeit der Diktatur im Brasilien der siebziger Jahre ab. Sie enthüllen die Geschichte von Armando, einem Ingenieur, der dem System im Wege steht und in den Untergrund fliehen musste.
Wie Walter Salles’ Film I’M STILL HERE geht es in Kleber Mendonça Filhos Film THE SECRET AGENT um die Erinnerung an die Diktatur in Brasilien, die während der Regierungszeit des rechtsextremen Jair Bolsanora erneut unterdrückt wurde. I’M STILL HERE war ein eindrucksvolles politisches Melodram, THE SECRET AGENT ist ein ebenso bewegender, sehr spannender Polit-Thriller. Beim Filmfestival in Cannes gewann Kleber Mendonça Filho die Goldene Palme für die Beste Regie, den FIPRESCI-Preis der Filmkritik und den AFCAE-Preis der französischen Programmkinos, Wagner Moura erhielt die Goldene Palme für den Besten Hauptdarsteller.
Von Beginn an liegt eine fiebrige Spannung über den hitzig flimmernden Bildern. Brasilien 1977, eine Militärdiktatur herrscht seit 13 Jahren. Armando (Wagner Moura), der sich Marcelo nennt, fährt nach Recife, wo sein Sohn bei den Eltern von Armandos verstorbener Frau lebt. Er ist auf der Flucht. Wovor, wird erst im Laufe des Films deutlich. Zunächst ist da nur eine Atmosphäre von Tod, Korruption und Chaos. An der Tankstelle, wo Armando/Marcelo anhält, liegt eine Leiche im Dreck, mit etwas Pappe flüchtig bedeckt. Streunende Hunde streichen um den Leichnam herum. Der liege seit Sonntag da, die Polizei hätte keine Zeit, es sei ja Karneval, sagt der Tankwart. Als die Polizei eintrifft, interessiert die sich nur für Marcelo, und auch nur, um etwas Geld zu erpressen, nicht für die faulende Leiche.
Die schlaglichtartige Eröffnungsszene scheint Armando/Marcelo auf Tonbändern zu schildern, die zwei junge Frauen in der Gegenwart abhören. Die Interviews und Verhöre, die die Historikerinnen protokollieren, machen die Geschichte des Films aus. Der Filmtitel ist zumindest halb ironisch, denn um einen Geheimagenten geht es eigentlich nicht, sondern um einen relativ unpolitischen Ingenieur, der zusammen mit seiner Frau und seinem Institut einem Verbündeten der Diktatur im Weg steht. Armando muss in den Untergrund gehen und versucht, mithilfe der Widerstandsbewegung, sich und seinen kleinen Sohn außer Landes zu bringen.
Während der Regierung Jair Bolsonaros waren Recherchen über die Diktatur unerwünscht, und so bekommen auch die jungen Forscherinnen Schwierigkeiten. Kleber Mendonça Filhos Film ist ein eindringliches Porträt der brasilianischen Gesellschaft in der Diktatur. Er zeigt die Korruption und Brutalität, aber auch die Vielfalt, Solidarität und Entschlossenheit der Widerstandsbewegung im Safehouse, das Armando Obdach gewährt. Ein großer, dicht und konzentriert inszenierter Ensemblefilm mit erheblichen Oskar-Chancen.
Originaltitel: O Agente Secreto
Brasilien/ Frankreich/ Deutschland/ Niederlande 2025, 158 min
Sprache: Portugiesisch, Deutsch, Englisch
Genre: Drama, Thriller, Historienfilm
Regie: Kleber Mendonça Filho
Drehbuch: Kleber Mendonça Filho
Kamera: Evgenia Alexandrova
Schnitt: Matheus Farias, Eduardo Serrano
Musik: Mateus Alves, Tomaz Alves Souza
Verleih: Port-au-Prince Pictures
Darsteller: Wagner Moura, Maria Fernanda Cândido, Gabriel Leone, Udo Kier
FSK: 16
Kinostart: 06.11.2025
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