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The Most Beautiful Boy In The World

Der wahre Tadzio

Der Dokumentarfilm porträtiert Björn Andrésen, der mit 15 in Viscontis DER TOD IN VENEDIG den Tadzio spielte und als „the most beautiful boy in the world“ herumgereicht wurde.

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Für seine Thomas-Mann-Verfilmung DER TOD IN VENEDIG reiste Luchino Visconti durch ganz Europa, um einen Jungen „mit honigfarbenem Haar, wie ein Gott aus der griechischen Mythologie“ zu finden, mit dem er die Rolle des Tadzio, einer Verkörperung reiner Schönheit, besetzen konnte. Diese Suche, die unangenehm an die Auswahl engelsgleicher Opfer in Pasolinis DIE 120 TAGE VON SODOM erinnert, führt das Filmteam schließlich nach Schweden. Hier begegnen sie dem 15-jährigen Björn Andrésen, der direkt engagiert und von Visconti bei der Premiere in London als „The Most Beautiful Boy in the World“ tituliert wird – auch wenn er langsam schon älter und hässlicher werde.
Von Visconti vermarktet, in der Pariser Bohème herumgereicht und an die japanische Popindustrie ausgeliehen, machen seine Schönheit und ein erschreckender Mangel an Fürsorge Andrésen schnell zur Ware. „Es hat sich angefühlt wie ein Schwarm Fledermäuse um mich, die ganze Zeit. Es war ein lebender Alptraum.“ Aus diesem vampiristischen Alptraum, in dem vor allem ältere Männer sich an Andrésens Jugend und Schönheit gütlich tun, scheint auch der heute 65-Jährige noch nicht ganz aufgewacht zu sein. Die Erlebnisse seit dem ersten Treffen mit Visconti haben ihn sichtbar gezeichnet - doch erzählt THE MOST BEAUTIFUL BOY IN THE WORLD mehr als nur von den bleibenden Folgen seiner ‚Entdeckung‘. Porträtiert wird der Heilungs- und Entdeckungsprozess eines sensiblen, verschrobenen, und ja, immer noch umwerfend gutaussehenden Mannes mit langen Silberhaaren und Ledermantel, der sich, zurückhaltend begleitet von Kristina Lindström und Kristian Petri den Stationen seines Missbrauchs und seiner düsteren Familiengeschichte stellt.
Kürzlich ließ sich Andrésen als gealtertes Kultmitglied in MIDSOMMAR den Schädel zerschmettern. Andrésens eigene Vorstellung von ‚in Würde altern‘ ist gottseidank anders, doch ebenfalls sehr filmtauglich.

Yorick Berta

Details

Originaltitel: Världens vackraste pojke
Schweden 2021, 93 min
Sprache: Englisch, Französisch, Italienisch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Kristina Lindström, Kristian Petri
Drehbuch: Kristina Lindström, Kristian Petri
Kamera: Erik Vallsten
Schnitt: Dino Jonsäter, Hanna Lejonqvist
Musik: Filip Leyman, Anna Von Hausswolff
Verleih: missingFILMs
Kinostart: 29.12.2022

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