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The Girl King

Unkonventionelle Königin

Mika Kaurismäki unternimmt den Versuch, die vielseitigen Facetten von Königen Kristina von Schweden, einer der mächtigsten und unkonventionellsten Player im europäischen Machtgefüge des 17. Jahrhunderts, einzufangen.

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Anders als sein Bruder Aki inszeniert Mika Kaurismäki keine skurrilen Filme mit skurrilen Gestalten in skurrilen Geschichten. Doch er legt mit der multinationalen Produktion THE GIRL KING über die schwedische Königin Kristina, die 1632 mit nur sechs Jahren zur Thronfolgerin wird, trotz Kostümen, Schlössern und Historie auch keinen konventionellen Geschichtsfilm vor. Es gibt keinen schurkischen Bösewicht, obwohl wir es bei Hofe natürlich mit allerlei Intrigen und Machtspielen zu tun haben. Die großen weltgeschichtlichen Ereignisse werden beiläufig erzählt: Die Verhandlungen um den westfälischen Frieden, der den 30jährigen Krieg beendete, laufen nebenher mit, ebenso wie die Eroberung und Plünderung von Prag durch schwedische Truppen. Beides wurde von Kristina maßgeblich vorangetrieben – widersprüchlich scheinender Pragmatismus einer Machtpolitikerin. Doch dies ist in Kaurismäkis klugem Porträt nur ein Aspekt von Kristina. Sie ist gebildet, wissbegierig, lädt René Descartes nach Stockholm ein. Sie ist herrschaftsbewusst, Königin einer Großmacht, die mitmischt in der Gestaltung Europas. Sie lebt in einem protestantischen Milieu, in dem wissenschaftliche Betätigung als Ketzerei gilt. Sie wählt sich ihre Kammerzofe als Bettgefährtin. Der Hof bemüht sich Einfluß zu nehmen, ohne der Befehlsgewalt der Königin zuwiderzulaufen, Frankreich will sie für den Katholizismus gewinnen, ohne Schweden als Verbündeten zu verlieren.
Manche der Widersprüche lässt der Film unaufgelöst, in Manchem spekuliert er – es geht um eine Wahrheit, die über die Geschichtsbücher hinausgeht, um Blicke hinter die Kulissen des Höfischen, um die Leidenschaften, mit denen diese übermächtige Frau kämpfen muss, um das Porträt einer Machtpolitikerin in einer Männerwelt, um die Freiheit, die sie ersehnt und die sie nur durch einen einschneidenden Bruch erreichen kann.

Harald Mühlbeyer

Details

Deutschland/ Kanada/ Schweden/ Frankreich/ Finnland 2015, 106 min
Genre: Biografie, Drama, Historienfilm
Regie: Mika Kaurismäki
Drehbuch: Michel Marc Bouchard
Kamera: Guy Dufaux
Schnitt: Hans Funck
Verleih: NFP
Darsteller: Peter Lohmeyer, Michael Nyqvist, Hippolyte Girardot, Martina Gedeck, Sarah Gadon, Malin Buska, Lucas Bryant, Laura Birn
FSK: 12
Kinostart: 21.07.2016

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