
Neue Notiz
The Change
Psychose-Erzählung
Anhand einer bildungsbürgerlichen Familie, in der autoritäre Ideen Einzug halten, zeigt der Film den Zusammenbruch der Familie und der Gesellschaft.
THE CHANGE (OT: ANNIVERSARY) versucht, den Wahnsinn einer autoritären Bewegung in den Effekten auf eine bildungsbürgerliche Familie zu zeigen. Das dramaturgische Modell bilden Tschechows Dramen. Professorin Diane und ihr Ehemann Paul, ein erfolgreicher Restaurantbetreiber, haben ihre Familie versammelt. Die lesbische Tochter Anna ist Komikerin mit Rockstar-Habitus, Tochter Cynthia und ihr Ehemann Rob sind links-liberal engagierte Juristen, Tochter „Birdie“ klebt sich Sternchen ins Gesicht und blickt mit verstörten Welpen-Augen in die Welt. Sohn Josh, ein gescheiterter Schriftsteller, hat seine neue Freundin mitgebracht, die von Anfang an etwas irre wirkende Elizabeth. Die war früher Studentin bei Ellen, und Ellen erinnert sich daran, dass sie radikale Ansichten von einer Volksbewegung und einem Einparteiensystem hatte. Elizabeths Abschlussarbeit „The Change“ entwickelt sich im folgenden Jahr zum Bestseller. In mehreren Episoden, die jeweils ein Jahr später handeln, zeigt der Film den Zusammenbruch der Familie und der Gesellschaft.
Die Idee, Tschechows Dramen, die ja ebenfalls in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs um die vorletzte Jahrhundertwende entstanden, als Form für eine Kritik am aktuellen Revival autoritärer Gesellschaftstheorien zu verwenden, ist naheliegend, aber etwas zu kurz gedacht. Tschechows verarmender, perspektivloser Landadel hat wenig gemein mit der ohnehin schmalen Schicht eines sehr wohlhabenden Bildungsbürgertums. Der Wahnsinn, in den die Töchter der Familie verfallen, mag eine verständliche Reaktion auf den allgegenwärtigen Wahnsinn sein, wirkt aber theatral überkonstruiert. Der Film versucht, der gesellschaftlichen Psychose mit einer psychotischen Erzählung zu begegnen. Das funktioniert politisch-ästhetisch nur punktuell, aber unterhaltsam ist es schon.
Originaltitel: Anniversary
USA 2025, 112 min
Genre: Thriller, Psychothriller
Regie: Jan Komasa
Drehbuch: Lori Rosene-Gambino
Kamera: Piotr Sobocinski Jr.
Musik: Danny Bensi, Saunder Jurriaans
Verleih: Tobis Film
Darsteller: Diane Lane, Kyle Chandler, Zoey Deutch, Dylan O'Brien, Phoebe Dynevor
Kinostart: 06.11.2025
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