
Neue Notiz
The Bride! – Es lebe die Braut
Aufgedreht wie ein Musikvideo aus den 1990ern bedient sich THE BRIDE! an allem, was FRANKENSTEIN in Schrift und Bild hergibt, bleibt aber eine Ansammlung an interessanten Ansätzen.
THE BRIDE besteht aus vielen tollen Einzelteilen, die aber eher unkoordiniert aneinandergenäht sind. Aber der Reihe nach: Im Chicago von 1936 arbeitet Ida (Jessie Buckley) für den Gangsterboss Lupino als Amüsierdame und Spionin. Und auch wenn ein Leben aus Parties und Sex ein großer Spaß sein könnte, ist es für Ida die Hölle. Ein loses Mundwerk führt hier schnell zum Verlust des Lebens und der Zunge. Genau das hat Ida aber an diesem Abend: Etwas überkommt sie, sie wird laut und bricht sich während ihres alkoholisierten Ausbruchs auf einer steilen Treppe das Genick. Ihre Leiche verbringt nicht lange in einem anonymen Grab, sondern wird von der genialen Dr. Euphronius (Annette Benning) und einem stark vernarbten Mann, der sich „Frank“ nennt (Christian Bale) wieder ausgegraben und mittels eines Stromschlags wieder zum Leben erweckt, etwas lädiert und ohne Erinnerung, aber schnell wieder scharf darauf, die nächste Party zu besuchen. Als Frank Dr. Euphronius um Hilfe dabei bat, durch eine Gefährtin seine quälende Einsamkeit zu beenden, hatte er eher daran gedacht, mit seiner „Braut“ Geigenmusik zu hören und gepflegte Gespräche zu führen, aber der wilden Wiederbelebten steht der Sinn eher nach Tanzen und Trinken in einem zwielichtigen Club. Dort treffen sie auf zwei Typen, die sich von einem klaren „Nein“ nicht in ihrer Übergriffigkeit bremsen lassen wollen, und so sehr Frank sich auch als Feingeist sieht, ist er doch auch ein sehr starkes Monster, und die beiden Vergewaltiger kurz darauf zwei zermatschte Leichen. Frank und die Braut begeben sich auf die Flucht, verfolgt von der Polizei und Lupinos Leuten, aber auch der Presse. Das Paar wird zu gefeierten Outlaws und die Blutflecken im Gesicht der Braut zur Make-up-Vorlage für Frauen in ganz Amerika, die in ihr ein Symbol der Rebellion und des Aufbegehrens sehen.
Das ist kein Zufall, denn aus dem Jenseits schaut die Autorin von „Frankenstein“, Mary Shelley (auch Jessie Buckley) zu und ergreift gelegentlich vom Körper der Braut Besitz, um durch sie die feministische Revolution anzutreiben, die ihr während ihrer eigenen Lebenszeit nicht gelungen ist.
Und da liegt dann der Knackpunkt: Maggie Gyllenhalls Film haut scheinbar wirklich jeden Einfall, der ihr beim Schreiben und Drehen des Films gekommen ist, auf die Leinwand: Frankenstein ist sowohl ein Gruselroman von Mary Shelley als auch ein wahrer Bericht über einen wissenschaftlichen Durchbruch in der Schweiz, und Ida wird laut, weil sie aufbegehren will, aber auch weil Mary sie dazu bringt und die Braut muss sich ja auch aus dem Schatten des „..von Frankenstein“ befreien, und zu Recht, weil Frank ist am Anfang ein ziemlicher Incel, aber später dann doch der Clyde zu ihrer Bonnie, und ach, wir hatten ja gesagt, dass der Lupino auch ganz gefährlich ist, der muss ja auch nochmal kommen.... und Feminismus, ja, der ist wichtig, es müssen ja noch andere Frauen aus dem Schatten treten und laut werden und aufbegehren, und später ruft die Braut mehrmals ganz, ganz laut „Me, too! Me, too!“.
Und da liegt eben der Knackpunkt: THE BRIDE – Ausrufezeichen – ist nicht subtil. Die Bilder erinnern an die großen epischen Musikvideos der 1990er, und insbesondere die beiden Hauptdarsteller*innen geben in jeder Szene alles. Jessie Buckley spielt drei verschiedene Frauen, die nicht still und ladylike sein wollen, mit einer Inbrunst, bei der es egal ist, ob das, was sie sagt, ganz schlüssig ist, man will einfach zuhören/zusehen. Christian Bale wiederum verbindet irgendwie einen über 100 Jahre alten wiederbelebten schüchternen Feingeist und jemanden, der auf der Tanzfläche die „Putting on the Ritz“-Nummer in Mel Brooks' YOUNG FRANKENSTEIN (1974) zitieren kann, ohne in einer der beiden Rollen komplett albern zu wirken. Aber weil die Teile so gut sind, ist es schon etwas schade, dass der Film als Ganzes relativ wenig Kohärentes zu sagen hat und viele der faszinierenden Ansätze nicht weiterverfolgt.
Es gab aber Berichte, dass Maggie Gyllenhall den Film nach den ersten Testvorführungen noch kürzen musste. Vielleicht gibt es also in ein paar Jahren einen neu zusammengenähten Director's Cut, bei dem auch erzählt wird, was genau es mit Dr. Euphronius' Gehilfin Greta auf sich hat. Denn Lust auf mehr macht THE BRIDE! schon.
Originaltitel: The Bride!
USA 2026, 126 min
Sprache: Englisch
Genre: Horror, Romance, Musikvideos
Regie: Maggie Gyllenhaal
Drehbuch: Maggie Gyllenhaal
Kamera: Lawrence Sher
Schnitt: Dylan Tichenor
Musik: Hildur Guðnadóttir
Verleih: Warner Bros.
Darsteller: Jessie Buckley, Christian Bale, Peter Sarsgaard, Jake Gyllenhaal, Penélope Cruz, Julianne Hough, Annette Bening, John Magaro
Kinostart: 05.03.2026
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IMDB
Vorführungen

The Bride! - Es lebe die Braut
(The Bride!) | USA 2026 | Horror, Romance, Musikvideos | R: Maggie Gyllenhaal
Aufgedreht wie ein Musikvideo aus den 1990ern bedient sich THE BRIDE! an allem, was FRANKENSTEIN in Schrift und Bild hergibt, bleibt aber eine Ansammlung an interessanten Ansätzen.
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