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The Batman

Depressiv-Noir

Die Atmosphäre ist super, depressiv noir mit einem düster treibenden Score von Michael Giacchino, unterbrochen von explosiven Stunts und Verfolgungjagden.

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Disclaimer: THE BATMAN ist der erste Film des Franchises, den ich gesehen habe, und auch die Comics habe ich nie gelesen. Meine Kenntnisse der Backstory und des Gotham-Universums sind bestenfalls rudimentär.

Gotham-City, aka New York ist ein düsterer, gefährlicher Ort, in dem es fast pausenlos regnet. Der Müll liegt auf der Straße, die Wolkenkratzer mit ihren neo-gotischen Türmchen verbreiten eine morbide Stimmung, und an jeder Straßenecke finden Verbrechen statt. Das Bat-Zeichen, das die Polizei an den Himmel strahlt, ist Notruf, Warnung und ein verzweifelter Versuch der Abschreckung, der wenig bringt. Der Batman (Robert Pattinson) kann nicht überall sein. Am 31. Oktober, Halloween, am Tag, an dem der Film beginnt, kann er weder einen Raubüberfall noch den Mord des Bürgermeisters verhindern, noch einen Sprayer davon abhalten „broke“ an die Säulen der Börse zu sprühen. Immerhin bewahrt er einen jungen Mann vor einer Straßengang. Nachdem der Batman die Kleingangster brutal zusammengeschlagen hat, fleht der Gerettete ihn allerdings an „Bitte tu mir nichts“.

Nach diesem stimmungsvollen Einstieg in die Untiefen der Stadt taucht der Film in die Untiefen der Korruption ein, die Regierung, Polizeiapparat und Drogenkartelle miteinander verbindet. Der Bürgermeister ist nur das erste einer Reihe von in Betrug und Verbrechen verstrickter Opfer, die der „Riddler“ (Paul Dano) für die Eliminierung vorgesehen hat. Am Ort des Verbrechens hinterlässt er Graffitis – ein seltsames Zeichen und den Schriftzug „no more lies“ – und auch immer eine bunte Klappgrußkarte adressiert an „The Bat Man“, die ein Rätsel enthält, das zum nächsten Opfer führt. Im Dickicht der Intrigen, von Verrat und Verbrechen unter Gangstern, zu denen auch der „Penguin“ (Colin Farrell) gehört, und Cops habe ich dann erstmal etwas das Interesse verloren. Die Atmosphäre ist super, depressiv noir mit einem düster treibenden Score von Michael Giacchino, unterbrochen von explosiven Stunts und Verfolgungjagden. Die genauen Zusammenhänge scheinen dagegen nicht so zwingend, und die Personen sind zwar moralisch schillernd aber psychologisch eindimensional. Klar wird immerhin so viel: Bis auf Kommissar Jim Gordon (Jeffrey Wright), der dem Batman vertraut, haben alle Dreck am Stecken oder ein Racheprojekt am Laufen. Gesucht wird unter anderem „die Ratte“, ein Verräter aus den Reihen der Cops, und dann ist da noch die Motorrad-Meisterdiebin Selena Kyle (Zoë Kravitz), die einen ganz eigenen Plan verfolgt.

Die Spur der Morde führt Batman, aka trauriges Rich-Kid Bruce Wayne schließlich in die eigene Vergangenheit zu Enthüllungen über seinen Vater, und dort liegen auch die Wurzeln des Wahns, der den Riddler zu einem großangelegten Vernichtungsplan treibt, der im letzten Drittel des Films seine Ausführung findet. Aus Krimi-Noir à la SEVEN wird Apokalypse-im-Regen mit Anleihen an die Ereignisse des 6. Januars – insbesondere erinnert eine Szene, in der der Riddler seine verrückten Follower über Social Media dazu aufruft, sich zu bewaffnen und seine Pläne weiter zu verfolgen, an die Trump-Anhänger*innen, die das Weiße Haus gestürmt haben. Stilistisch ist das ein Bruch, aber es verleiht dem dreistündigen Film neue Energie, die bis ans Ende trägt.

THE BATMAN ist nicht so komplex und tiefsinnig, wie er sich selbst sich findet, hat aber viel Spaß – insoweit man bei der nahezu suizidalen Grundstimmung von Film und Superheld überhaupt von „Spaß“ sprechen kann – mit den Schattierungen von Rache und Gerechtigkeit, die er durchspielt. Ist Catwomans/Selenas privater Rachefeldzug legitim? Ist es der wahnsinnige Plan mit dem der Riddler eine Erneuerung der Stadt anstrebt? Sind es die Vigilante-Aktivtäten des Batman, der bei einer Verfolgungsjagd locker einen Öltank und zwei Schwertransporte umnietet, mit, sollte man meinen, entsprechenden Opferzahlen? Wo verläuft die Grenze zwischen Gut und Böse? Auch der Batman selbst hat Zweifel. Aber das Verbrechen hört niemals auf. Und das Bat-Zeichen illuminiert schon wieder den Abendhimmel.

Hendrike Bake

Details

USA 2022
Sprache: Englisch
Genre: Action, Comic-Verfilmung
Regie: Matt Reeves
Drehbuch: Matt Reeves, Mattson Tomlin
Kamera: Greig Fraser
Musik: Michael Giacchino
Verleih: Warner Bros.
Darsteller: Robert Pattinson, Zoe Kravitz, Paul Dano, Colin Farrell, Jeffrey Wright, Andy Serkis, John Turturro, Peter Sarsgaard
Kinostart: 03.03.2022

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