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Sunny Days

Die Glücklichen wohnen im Ausland

Ein junger Mann irrt einsam durch die Straßen Almatys, Ost-Kasachstan. Die Vermieterin, die Jobvermittlerin, der beste Freund - alle werfen ihm die Tür vor der Nase zu. Da hilft nichts, außer, mit Humor und Stoizismus, auf sonnige Tage zu warten.

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Ein OH BOY ohne Berlin. Ein FRANCES HA ohne Primaballerinaträume. Ein INSIDE LLEWIN DAVIS ohne Musikleidenschaft. Ein Alter Ego von Nariman Turebayev? Vielleicht. Der kasachische Regisseur zeigt in seinem zweiten Langspielfilm einen jungen Mann, der einsam durch die Straßen Almatys, Ost-Kasachstan, irrt. Die Geschichte entwickelt sich im Tempo der Türen, die auf- und zugehen: Klopfklopf – die Vermieterin verlangt ihr Geld und droht ihn rauszuwerfen – Klopfklopf –– die Frau von der Jobvermittlung will ihm eher ihre Reize als einen Job anbieten – Klopfklopf – der beste Freund kann nicht weiterhelfen; das Geld braucht er für den neuen Mantel seiner Frau. In diesem tristen Winter bleibt dem Protagonisten nichts anderes übrig, als auf die sonnigen Tage zu warten. Die Glücklichen wohnen im Ausland: Die Mutter in Berlin ist unerreichbar. Die Wirtin von der Stammkneipe hat eben eine Green Card gewonnen und auch der reiche Geschäftsreisende hat sein Glück außerhalb der Heimat gefunden, in Moskau. Aber es gibt Hoffnungsschimmer. Symbolbild sind die hellblauen Augen einer Puppe, die unter dem Urinstrahl des Antihelden im Schnee hervortauchen. Oder als der 25-jährige als Privatchauffeur sein Glück versucht und den Moskauer zu einem Wüstencanyon führt. Beim Anblick der seltsam erodierten Landschaft stoßen sie an: "Auf die Schönheit!"
So scheint auch Turebayevs Devise zu lauten. Seine Bilder sind ästhetisch durchkomponiert und in schönen Pastelltönen gehalten. Er versteht es, seine Protagonisten in Schneewirbel und blaues Licht zu hüllen, und die sympathischen Nebenfiguren retten den Film vor der völligen Morosität: Sei es der eifrig Klavier spielende Nachbar, der zum Tee einlädt oder die sichtlich in den Protagonisten verschossene Kioskverkäuferin. Der Film macht Lust auf Kasachstan und seine tragikomischen Bewohner.

Raphaël Rück

Details

Originaltitel: Solnetchniye dni
Kasachstan 2011, 101 min
Genre: Drama
Regie: Nariman Turebayev
Drehbuch: Nariman Turebayev
Kamera: Boris Troshev
Musik: Almat Baizakov
Verleih: Peripher Filmverleih
Darsteller: Inkar Abdrash, Asel Kaliyeva, Yuri Radin, Erlan Utepbergenov
FSK: oA
Kinostart: 03.04.2014

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