
Neue Notiz
Stiller
Brillante Doppelrolle
Der Mann, der sich als James Larkin White ausgibt, sieht dem vor sieben Jahren verschwundenen, mutmaßlichen Mörder Anatol Stiller so ähnlich, dass er ständig verwechselt wird. Verfilmung des Romans von Max Frisch.
Argwöhnisch mustert der Bahnbeamte den Reisenden (Albrecht Schuch) nach einem Blick in dessen Reisepass. „Ich bin nicht Stiller!“, skandiert der und wird es in den folgenden anderthalb Stunden wiederholt tun, denn der Mann, der sich als James Larkin White ausgibt, sieht dem vor sieben Jahren verschwundenen, mutmaßlichen Mörder Anatol Stiller allzu ähnlich. White kommt in Untersuchungshaft und Stillers Ehefrau Julika (Paula Beer) wird herbeizitiert. Sie soll zweifelsfrei bezeugen, dass es sich bei dem vermeintlichen Amerikaner um ihren Mann handelt. Je mehr Zeit sie mit ihm verbringt, desto unsicherer ist sie sich. Der Andere ist charmant und einfühlsam, ganz im Gegensatz zu den Erinnerungen an den aufbrausenden Anatol, der stets mit der Welt haderte und sie ohne ein Wort zurückließ.
Mit STILLER feierte Max Frisch 1954 seinen Durchbruch. In ausschweifenden Sätzen beschreibt der Schweizer Autor das Innenleben seines Protagonisten, dessen Identität im Buch relativ schnell klar wird. Regisseur Stefan Haupt (ZWINGLI) lässt die Zuschauer länger im Dunkeln und dafür die im Roman ausführlich beschriebene Zeit nach der Haft gänzlich aus. Die Ambivalenz meistert Albrecht Schuch glänzend: Er wechselt so wandlungsfähig zwischen der gegenwärtigen Handlung als White und den Rückblenden als Stiller, dass der Zweifel lange aufrecht bleibt. Auch Paula Beer überzeugt in der Doppelrolle der verliebten Julika und ihres gebrochenen Gegenstücks. Ausstattung und Bildgestaltung versprechen großes Kino, auch wenn sich die Handlung selbst auf kleinem Raum konzentriert. Leider ist die Inszenierung mitunter vordergründig und inkonsequent. So sind etwa die warmen Erinnerungen in kräftigen Farben, die tristen in Schwarz-Weiß erzählt. Trotzdem fesseln STILLER und der Reiz, sich selbst neu zu erfinden, bis zum Schluss.
Deutschland/Schweiz 2025, 99 min
Sprache: Deutsch
Genre: Drama, Mystery
Regie: Stefan Haupt
Drehbuch: Alex Buresch, Max Frisch, Stefan Haupt
Kamera: Michael Hammon
Schnitt: Franziska Koeppel
Musik: David Hohl, Richard Ruzicka
Verleih: STUDIOCANAL
Darsteller: Paula Beer, Albrecht Schuch, Marie Leuenberger, Maximilian Simonischek, Stefan Kurt
FSK: 12
Kinostart: 30.10.2025
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