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Still Alice – Mein Leben ohne Gestern

Julianne Moore vs. das Vergessen

Julianne Moore spielt eine Frau, die an Alzheimer erkrankt. Linear, aber doch lose, mit zahlreichen Zeitsprüngen, die Wochen und Monate komprimieren, schildert der Film den zunehmenden geistigen Verfall von Alice, aber auch die wachsende Nähe zwischen Mutter und Tochter.

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Gerade in Zeiten der Oscar-Verleihung werden Filme gerne auf die Leistung ihrer Hauptdarsteller reduziert. Nicht ganz zu Unrecht, leben Filme wie CAPOTE, LAST KING OF SCOTLAND oder THE QUEEN doch zu ganz erheblichem Teil vom Verwandlungswunder ihrer Hauptdarsteller, die dann auch mit dem Oscar ausgezeichnet wurden. So wird es wohl auch der allseits und bei Filmkritikern besonders beliebten Julianne Moore gehen, die inzwischen zum fünften Mal nominiert ist, nun auch wieder für STILL ALICE, bislang aber nie gewinnen konnte. Im Drama des Regieduos Richard Glatzer und Wash Westmoreland spielt sie eine Frau, die an Alzheimer erkrankt, anders gesagt: Ideales Oscarmaterial. Doch Moore ist eine viel zu gute, viel zu subtile Schauspielerin, als das sie in ihrer Darstellung auf extremes Spiel zurückgreifen würde. Stattdessen legt sie den Leidensweg ihrer Figur, der Linguistin Alice, ganz als inneren Kampf gegen das Vergessen an. Am Anfang ist Alice noch voller Lebenslust, feiert gerade ihren 50. Geburtstag, ist beruflich erfolgreich, hat mit John (Alec Baldwin) einen liebenden Ehemann und drei sie mehr oder weniger liebende Kinder. Besonders Alices Beziehung zu ihrer jüngsten Tochter Lydia (Kristen Stewart), die sich um eine Karriere als Schauspielerin bemüht, ist roter Faden des Films. Linear, aber doch lose erzählt, mit zahlreichen Zeitsprüngen, die Wochen und Monate komprimieren, wird der zunehmende geistige Verfall von Alice geschildert, aber auch die wachsende Nähe zwischen Mutter und Tochter. Dabei gelingt es Moore und Stewart die Tragik der Situation, die zunehmende Sprachlosigkeit bei gleichzeitigem Wachsen des gegenseitigen Interesses berührend anzudeuten. So ist STILL ALICE mit seiner recht konventionellen Inszenierung am Ende zwar ein typischer Oscar-Film, aber doch weit mehr als ein bloßes schauspielerisches Bravourstück.

Michael Meyns

Details

Originaltitel: Still Alice
USA 2014, 101 min
Genre: Drama
Regie: Wash Westmoreland, Richard Glatzer
Drehbuch: Richard Glatzer, Wash Westmoreland
Kamera: Denis Lenoir
Schnitt: Nicolas Chaudeurge
Musik: Ilan Eshkeri
Verleih: Polyband Medien
Darsteller: Alec Baldwin, Julianne Moore, Kate Bosworth, Kristen Stewart, Hunter Parrish, Seth Gilliam, Eha Urbsalu
FSK: 6
Kinostart: 05.03.2015

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