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Speer Goes to Hollywood

Dekonstruktion einer Nazi-Größe

Der in Nürnberg als Kriegsverbrecher verurteilte Albert Speer gehörte nach seiner Entlassung zur gesellschaftlichen Elite der Bundesrepublik. Anfang der siebziger Jahre sollte seine Autobiografie in den USA verfilmt werden.

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Vom in Nürnberg verurteilten Kriegsverbrecher zum „guten Nazi“, das muss man erst einmal schaffen. Es erzählt viel über die Verdrängungsmechanismen der alten Bundesrepublik, dass Albert Speer in den 15 Jahren nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis bis zu seinem Tod 1981 zur gesellschaftlichen Elite der Bundesrepublik gehörte, gern gesehener Gast in Talkshows und auf Empfängen war und mit seiner Autobiografie Millionen verdiente. Anfang der 70er Jahre sollte sie sogar von Hollywood verfilmt werden, und hier setzt Vanessa Lapas Dokumentarfilm SPEER GOES TO HOLLYWOOD an. Der damals noch junge Drehbuchautor Andrew Birkin (der später unter anderem die Drehbücher zu DER NAME DER ROSE und DAS PARFÜM schrieb) wurde beauftragt, ein Drehbuch über Speer zu schreiben und interviewte den Architekten, Reichsminister und guten Freund Hitlers 40 Stunden lang. Diese Tonbänder bilden nun die Grundlage für eine weitere ungewöhnliche Dekonstruktion einer Nazi-Größe. Schon in ihrem Film DER ANSTÄNDIGE hatte Lapa mit ambitionierter Gegenüberstellung von Bild- und Tonelementen die Lügen und Manipulationen eines Nazis entlarvt, damals von Heinrich Himmler. Nun ist Albert Speer an der Reihe.
Während auf der Tonspur Speer im gelassenen Plauderton über sein Leben erzählt und jegliche Fragen zu seinem Wissen um Deportierungen, Judenverfolgung oder Rekrutierung von Zwangsarbeitern noch nicht einmal abstreitet, sondern vielmehr als irrelevant abtut, erzählt Lapa mit den Bildern eine andere Geschichte. Hier sieht man Speer im Kreis der Führungselite der Nazis, sieht Zerstörung und das Grauen der Vernichtungslager. Wie viel Speer am Ende tatsächlich von den Verbrechen der Nazis wusste, kann Lapa natürlich nicht genau beweisen, dass sein Selbstbild als unbescholtener Mitläufer eine Fiktion war, wird jedoch überdeutlich.

Michael Meyns

Details

Israel 2021, 97 min
Genre: Dokumentarfilm, Film übers Filmemachen
Regie: Vanessa Lapa
Drehbuch: Vanessa Lapa, Joëlle Alexis
Schnitt: Joëlle Alexis
Musik: Frank Ilfman
Verleih: Edition Salzgeber
FSK: 12
Kinostart: 11.11.2021

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