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She Said

Die Weinstein-Recherche

Verfilmung des gleichnamigen Buches, das die beiden Journalistinnen Jodi Kantor und Megan Twohey über ihre Recherche zu Harvey Weinstein geschrieben haben.

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„Hollywood war ein organisiertes System zum Missbrauch von Frauen“, schreiben Jodi Kantor und Megan Twohey in ihrem Buch „She Said“, das nun nach einer Drehbuchadaption von Rebecca Lenkiewicz (SMALL AXE, IDA) unter der Regie von Maria Schrader verfilmt wurde. Kantor und Twohey sind die Autorinnen des Artikels in der New York Times, der den systematischen Missbrauch und die Vergewaltigung von Schauspielerinnen und Mitarbeiterinnen durch den Filmproduzenten Harvey Weinstein dokumentierte. In ihrem Buch beschreiben sie den Verlauf der Recherche, die sich besonders schwierig gestaltete, weil viele Opfer Weinsteins durch Non-Disclosure-Agreements (Schweigeverträge) zum Schweigen gezwungen waren, und Schauspielerinnen mit erheblichen Nachteilen oder gleich dem Ende ihrer Karriere rechnen mussten, wenn sie mit Journalistinnen redeten. Ist es ein Zufall, dass SHE SAID eine Produktion von Annapurna Pictures ist, der Firma von Megan Ellison, Tochter des „Oracle“-Gründers Larry Ellison, eine Firma, die in eigenem Geld schwimmt und nicht auf Kooperationen angewiesen ist, und dass eine deutsche Regisseurin und eine polnische Drehbuchautorin den größten Skandal der US-amerikanischen Filmbranche seit der McCarthy-Ära verfilmen?

Schraders Film hat viele Fallstricke zu überwinden – von rechtlichen Aspekten auf diesem Schlachtfeld der Privatklagen mal ganz abgesehen. Viele Protagonist*innen sind so berühmt, dass sie sich nicht einfach durch andere Schauspieler*innen ersetzen lassen. Niemand will eine Weinstein-Kopie auf der Leinwand Frauen missbrauchen und vergewaltigen sehen. Sich selbst spielen hier die Schauspielerin und Aktivistin Ashley Judd und Lauren O’Connor, die in den neunziger Jahren Weinsteins Assistentin in London war. Die beiden Frauen waren auch die ersten, die bereit waren, Weinsteins Taten öffentlich zu bezeugen. Andere berühmte Protagonist*innen wie vor allem Rose McGowan und Gwyneth Paltrow sind nur zu hören oder von hinten zu sehen. Weinsteins Taten schildern Frauen aus dem Off, während Schrader Hotelzimmer und -flure zeigt, wo die Taten begangen wurden. Während sich Kantor und Twohey in ihrem Buch vor allem für journalistische Details und Wendepunkte interessieren – etwa im Fall des Fox-Moderators Billy Reilish, bei dessen Entlassung gerade die Non-Disclosure-Agreements und das gezahlte Schweigegeld eine wichtige Rolle spielten – betonen Schrader und Lenkiewicz die emotionalen Folgen und die praktischen Konsequenzen für das Leben der Opfer. Ihr Film beginnt mit einer Szene, in der die sehr junge, fröhliche Waliserin Lauren auf ein Filmset stolpert und dabei einen Jobeinstieg findet. In der nächsten Szene läuft sie schreiend und weinend eine Straße hinunter. Rückblenden aus der Perspektive der Frauen fügen sich immer wieder in die Erzählung über die Recherche ein. Es sind die emotional intensivsten Momente des Films, vielleicht neben den Gesprächen mit Frauen, die nach dem Missbrauch durch Weinstein nie wieder einen Job in der Filmindustrie bekommen haben. In diesen Szenen wird das systemische Problem der Misogynie in der Branche am deutlichsten.

Die Arbeitswelt von Jodi Kantor (Zoé Kazan) und Megan Twohey (Carey Mulligan) ist, auch nach Aussage der Journalistinnen selbst, realistisch wiedergegeben. Mulligans Darstellung wirkt vielschichtiger und präsenter als Kazans, gerade in den Szenen, in denen Donald Trump sie am Telefon anbrüllt oder Weinstein unangekündigt im Büro erscheint, oder wenn sie durch die Zeugin Zelda Perkins herausgefordert wird, das ganze rechtliche, finanzielle und kulturelle System auseinanderzunehmen, das Weinsteins Taten über Jahrzehnte ermöglichte. Es gelingt ihr, so viele vermischte Emotionen von Wut, Zweifel, Amüsement, Mitgefühl und Entschlossenheit zugleich zu zeigen, dass eine Oskar-Nominierung fällig sein dürfte. SHE SAID ist ein exzellenter Film über herausragende journalistische Arbeit.

Tom Dorow

Details

USA 2022, 128 min
Genre: Drama
Regie: Maria Schrader
Drehbuch: Rebecca Lenkiewicz
Kamera: Natasha Braier
Verleih: Universal Pictures
Darsteller: Carey Mulligan, Zoe Kazan, Samantha Morton, Patricia Clarkson, Adam Shapiro
Kinostart: 08.12.2022

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USA 2022 | Drama | R: Maria Schrader

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