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Shape of Water – Das Flüstern des Wassers

Nostalgie und Außenseiter

Guillermo del Toros THE SHAPE OF WATER erzählt von der Rettung einer “Creature from the Black Lagoon” aus einem geheimen Labor durch die stumme Elisa und ihre Außenseiter-Freunde.

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In Guillermo del Toros Filmen haben schon immer die Geister älterer Filme gespukt. Am deutlichsten war das in PANS LABYRINTH (2006), der die gleiche Geschichte erzählte wie Victor Erices DER GEIST DES BIENENSTOCKS (1973), nur etwas schlichter und mit Special Effects.

Durch SHAPE OF WATER spuken Dutzende Filme, von E.T. über die CREATURE FROM THE BLACK LAGOON bis zum Gesamtwerk von Jean-Pierre Jeunet (DELICATESSEN bis AMÉLIE), dem der Film seinen Look verdankt. Del Toros in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichneter Film ist eine bizarre, sentimentale Beschwörung einer gar nicht mal so lange zurückliegenden Kinovergangenheit, spielt aber in den frühen 60er Jahren, die aussehen wie die 50er Jahre und in denen sich die Figuren nach den 30er und 40er Jahren zurücksehnen, natürlich nach deren Kinoversion. Hier sind Nostalgien mit Nostalgien verquirlt wie Grünzeug in einem Detox-Smoothie. Es wird hemmungslos herumgekitscht, bis die Musette-Quetschkommoden schmalzen, während Mr. Bojangles mit Shirley Temple die Treppe heruntertanzt.

Hier gibt es noch die unvermischt guten Menschen und die zweifelsfrei Bösen. Die Guten sind: die stumme Elisa (Sally Hawkins), Putzfrau in einem geheimen Labor, die von Musicals träumt; ihr älterer, schwuler Nachbar Giles, der ein begnadeter Werbezeichner ist, aber in einem Stil, der gerade nicht mehr gebraucht wird; ihre Schwarze Kollegin Zelda, die den ganzen Tag lang über ihren faulen Mann schimpft; der sensible, idealistische russische Spion Dr. Hoffstetter. Vielleicht auch noch der Besitzer des alten, romantischen, immer leeren Kinos, über dem Elisa und Giles wohnen, in ihren winzigen, verträumten Wohnungen mit den geschwungenen Fenstern, die gemeinsam einen Halbkreis ergeben.

Es könnte alles so schön sein, wären da nicht die Schurken. Der schurkigste ist Michael Shannon als Strickland, ein rassistischer Südstaatler, der zum besseren Quälen einen elektrischen Viehtreiber-Knüppel benutzt und Elisa sexuell belästigt, weil es ihm gefällt, dass sie nicht reden kann.

In der Haupthandlung geht es um die Liebe zwischen Elisa und einer Wasser-Creature, die von Strickland regelmäßig gefoltert wird. Elsa und ihre Freunde müssen versuchen, die Creature zu retten, bevor Strickland sie töten und sezieren kann. Eine Geschichte über die Solidarität von Außenseitern und die Akzeptanz des ganz anderen. In die Handlung eingebettet ist ein seltsamer, widersprüchlicher Erzählstrang über Rassismus. Elisa und Giles sehen im Fernsehen den Film THE LITTLE COLONEL, in dem Shirley Temple als erste weiße Person mit einem Schwarzen Mann tanzt, dem damals 57 Jahre alten Bill „Bojangles“ Robinson. Einerseits war das ein Barrieren brechender Moment, andererseits spielte Robinson im Filme Shirley Temples Sklaven. Robinson musste 1935 den „Onkel Tom“ geben, den „guten“, liebenswerten, entsexualisierten, nie bedrohlichen Schwarzen.

Ausgerechnet dieses Musical ist der Sehnsuchtsort von Elisa und Giles, den beiden Außenseitern. In SHAPE OF WATER gibt es Szenen, die konkrete Elemente der Segregation zeigen: getrennte Kantinentheken, Wasserspender und Toiletten für Weiße und Schwarze. Elisas Kollegin Zelda (Octavia Spencer) ist allerdings eine Figur, die unangenehm an die weibliche Variante des „Onkel Tom“-Stereotyps erinnert, die „Mammy“ aus rassistischen alten Schinken wie VOM WINDE VERWEHT. Del Toro gesteht ihr immerhin eine kleine Rebellion zu, die sich aber vor allem gegen ihren Ehemann richtet, der ebenfalls stereotyp gezeichnet ist: der faule, angeberische, gewalttätige Schwarze Mann.

SHAPE OF WATER ist ein seltsamer Film, weder ein Märchen – dazu sind die Bezüge zur Wirklichkeit und (Film-)Geschichte zu konkret - noch eine Parabel, dazu sind die Metaphern zu vermischt. Es geht um Marginalisierung und eine Nostalgie, die aus der Melancholie entsteht. Guillermo del Toro scheint zu hoffen, dass aus der Sehnsucht nach einer imaginären Vergangenheit etwas Neues entstehen kann. Das war schon immer das ästhetische Programm seiner Filme. Ob es als politisches Programm taugt, ist fraglich, aber auch das weiß del Toro. In SHAPE OF WATER führt es zu einer Metamorphose, aber Verwandlungen führten schon bei Ovid nur selten in die Freiheit.

Tom Dorow

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Details

Originaltitel: Shape of Water
USA 2017, 123 min
Genre: Fantasy, Liebesgeschichte, Modernes Märchen
Regie: Guillermo del Toro
Drehbuch: Guillermo del Toro, Vanessa Taylor
Kamera: Dan Laustsen
Schnitt: Sidney Wolinsky
Musik: Alexandre Desplat
Verleih: Twentieth Century Fox
Darsteller: Sally Hawkins, Michael Shannon, Richard Jenkins, Michael Stuhlbarg, Octavia Spencer, Doug Jones
FSK: 16
Kinostart: 15.02.2018

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Shape of Water - Das Flüstern des Wassers

(Shape of Water) | USA 2017 | Fantasy, Liebesgeschichte, Modernes Märchen | R: Array | FSK: 16

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