
Neue Notiz
Sep Ruf – Architekt der Moderne
Zierliche, weiße Stützen
Sep Ruf war einer der wichtigsten Vertreter der Nachkriegsmoderne in Westdeutschland und der Gestalter des Kanzlerbungalows.
Der bayerische Katholik Franz Joseph Ruf wollte einst Dominikanermönch werden. Als er sich stattdessen für ein Architekturstudium entschied, wurde er in München Schüler des völkisch-konservativ gesinnten German Bestelmeyer. Biografisch schien alles auf eine Gegnerschaft zur Moderne hinauszulaufen. Es kam anders: Sep Ruf, wie er sich schließlich nennen ließ, wurde einer der wichtigsten Vertreter der Nachkriegsmoderne in Westdeutschland und der Gestalter des Kanzlerbungalows, in dem vier Bundeskanzlerschaften lang deutsche Demokratie gelebt wurde.
Flachdächer auf zierlichen, weißen Stützen, flächige Fensterreihen, umrahmt von Fassadenstreifen, die wie Schultern tragen – von außen sind Rufs Bauten oftmals gut zu erkennen. Innen paart sich der moderne Anspruch gerne mit deutlich wohnlicheren und gemütlicheren Elementen als bei seinen radikaleren zeitgenössischen Berufskollegen. SEP RUF – ARCHITEKT DER MODERNE des Regisseurs Johann Betz nimmt uns in schwebenden Kamerafahrten mit in und um die prominentesten Gebäude des Architekten. Er lässt Menschen zu Wort kommen, die in den Wohnhäusern leben, Kuratoren und Leiterinnen der Institutionen, deren Bau er entworfen hat. Das ist eine mit heiterer Warteschleifenmusik unterlegte Reise vor allem durch die Bonner Republik, auf der man immer wieder auch auf historische Personen stößt. Ruf muss ein ausgezeichneter Netzwerker gewesen sein: Von Kanzler Ludwig Erhard bis zum Physiker Werner Heisenberg kannte er die Köpfe der Zeit. Und er baute für sie. Über 300 Bauten und Projekte hat er verantwortet. Dass er trotzdem nie die Prominenz eines Walter Gropius oder eines Le Corbusier erreicht hat, könnte neben anderem auch damit zu tun haben, dass Ruf – so berichtet es der Dokumentarfilm – gleichzeitig im Wesen deutlich zurückhaltender war als diese.
Originaltitel: Sep Ruf: Architekt der Moderne
Deutschland 2024, 96 min
Genre: Dokumentarfilm, Biografie
Regie: Johannes Betz
Drehbuch: Johannes Betz
Kamera: Mathias Pilmes
Verleih: Alpenrepublik
Kinostart: 10.07.2025
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