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Schweigend steht der Wald

Erstaunlich fies

Forstpraktikantin Anja nimmt Bodenproben in Waldstücken, in denen sie nicht graben sollte. Das kostet bald Opfer, und jedes gefährdet das „Märchenwald“-Projekt mit „Baumwipfelpfad“ das hier entstehen soll.

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Wenn ein Ex-Polizist, dessen Hobby es ist, kleine Vögel auszustopfen, sich bei seinem Sohn über das „ewige Suhlen in der Schuld“ beschwert, ist klar, dass es in diesem Film um mehr geht, als um den Mord an einem Urlauber. SCHWEIGEND STEHT DER WALD erinnert in seinem Bezug auf Geschichte an US-Horrorfilme der sechziger und siebziger Jahre. So wie I SPIT ON YOUR GRAVE die Holocaust-Prozesse oder THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE konservative christliche Familienwerte verhandelte, bezieht sich SCHWEIGEND STEHT DER WALD auf die deutsche Verdrängung und Verschleierung der Nazi-Vergangenheit, die dann immer wieder brutal hervorbricht. Dabei handelt es sich hier nicht um einen Horrorfilm, sondern um einen Krimi, wenn auch mit der Seele des älteren, dämonischeren Genres.
„Die Stinkf… muss weg“, brüllt der Ex-Polizist. Gemeint ist Anja, Praktikantin beim Förster, in der Oberpfalz der neunziger Jahre. Vor zwanzig Jahren war ihre Familie in den Ferien hier, und ihr Vater verschwand plötzlich auf einer Wanderung. Jetzt nimmt Anja Bodenproben des Waldes, auch in Waldstücken, in denen sie nicht graben sollte. Das kostet bald Opfer, und jedes gefährdet das „Märchenwald“-Projekt mit „Baumwipfelpfad“ das hier entstehen soll. Dass Anja mit Nachnamen „Grimm“ heißt, und gegen Ende eine brutal-realistische Version von „Hänsel und Gretel“ erzählt, ist schon etwas dick aufgetragen. Manchmal verrät der Debütfilm von Saralisa Volm, dass er auf einer Romanvorlage von Wolfram Fleischhauer beruht. Vermutlich ist der Film besser als das Buch: Die Motive sind grob und etwas pompös gestrickt, aber Volms Film hat schöne Bildideen. Zudem wirkt der Wald real und erinnert dennoch an deutsche Wald-Mythen, von Goethes tödlicher Ruhe über den Wipfeln bis zu Elias Canettis deutschem Wald als bedrohlich strammstehende Masse. Erstaunlich fies.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: The Silent Forest
Deutschland 2022, 95 min
Genre: Krimi, Drama
Regie: Saralisa Volm
Drehbuch: Wolfram Fleischhauer
Kamera: Roland Stuprich
Schnitt: Daniel Kundrat
Musik: Malakoff Kowalski
Verleih: Alpenrepublik Filmverleih
Darsteller: Henriette Confurius, Robert Stadlober, Noah Saavedra, August Zirner, Johanna Bittenbinder, Christoph Jungmann, Johannes Herrschmann
Kinostart: 27.10.2022

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