
Neue Notiz
Scham
Konfliktgespräch
Die direkte, immersive Herangehensweise lenkt den Fokus auf das Konfliktgespräch der beiden einzigen Filmfiguren und auf ihre dysfunktionale Beziehung, die sich einer Täter*in-Opfer-Dichotomie entzieht.
Aaron (Til Schindler) war als Kind Gewalt in verschiedenen Formen ausgesetzt. Nach Jahren der Funkstille kehrt er in sein Heimatdorf zurück und konfrontiert seine Mutter Susanne (Heike Hanold-Lynch) mit vorbereiteten Fragen, um seine Jugend aufzuarbeiten und zu verstehen, wann und warum Susanne und er aufgehört haben, Mutter und Sohn zu sein. Offen erzählt der mittlerweile 28-Jährige von seiner Homosexualität, unglücklichen ersten Lieben, sexualisierter Gewalt, die er außerhalb seiner Familie erlebte, aber auch selbst ausübte, sowie der Enttäuschung darüber, dass seine Eltern nicht für ihn da waren und ihm psychische und physische Verletzungen zufügten. Doch auch Susanne hatte Erwartungen an ihren Sohn, die Aaron nicht erfüllte, empfand ihn als bösartig und hasserfüllt, schämte sich für ihn. Zwischen den beiden entwickelt sich ein Schlagabtausch aus gegenseitigen Anschuldigungen, der sich immer mehr zuspitzt.
Für sein Spielfilmdebüt gewann Regisseur Lukas Röder 2025 den Preis der Ökumenischen Jury beim Filmfestival Max Ophüls Preis. Das beklemmende Kammerspiel über transgenerationale Gewalt entfaltet sich fast ausschließlich in Aarons Elternhaus, das Enge und Kleinbürgerlichkeit ausstrahlt. Mutter und Sohn filmen sich gegenseitig mit ihren Handys, was ihrer Auseinandersetzung etwas Unmittelbares, Schonungsloses und Ungeschöntes verleiht. Diese direkte, immersive Herangehensweise lenkt den Fokus auf das Konfliktgespräch der beiden einzigen Filmfiguren und auf ihre dysfunktionale Beziehung, die sich einer Täter*in-Opfer-Dichotomie entzieht. Nur wenige Aufnahmen der winterlichen, teils verschneiten bayerischen Landschaft, in denen sich die Kälte der Mutter-Sohn-Beziehung spiegelt, unterbrechen die Konfrontation der Protagonist*innen. Mit einfachen filmischen Mitteln gelingt Lukas Röder in SCHAM eine intensive Filmerfahrung.
Deutschland 2025, 86 min
Genre: Drama
Regie: Lukas Röder
Drehbuch: Lukas Röder
Kamera: Louis Dickhaut
Schnitt: Lukas Röder
Musik: Heavensgate
Verleih: missingFILMs
Darsteller: Heike Hanold-Lynch, Til Schindler
FSK: 16
Kinostart: 29.01.2026
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