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Rot und Blau

Ganz normale Schule

Der zynische Literaturlehrer Fiorito wird von einer ehemaligen Schülerin aufgesucht, der Aushilfslehrer Prezioso kinteressiert sich etwas zu sehr für eine schwierige Schülerin und die Direktorin, die nie Kinder wollte, beginnt, sich um einen verlassenen Jungen zu kümmern. Ein Film aus der Lehrerperspektive, ausnahmsweise mal nicht an einer Problemschule, sondern an einer ganz normalen Oberschule.

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Die italienische Schulkomödie ROT UND BLAU beginnt damit, dass der alte Lehrer Fiorito seine zynische Sicht auf die dumpfen, unfähigen, unbelehrbaren Schüler darlegt und damit schließt, dass trotzdem später alle der Überzeugung sein würden, dass die Schulzeit ihre beste Zeit gewesen wäre. Der Film sitzt dem gleichen Glauben auf, und vielleicht ist das sein größtes Problem. Vielleicht wird deshalb der alte Fiorito, der glaubt, niemand würde einem irgendetwas danken, mit einer schönen blonden Ex-Schülerin um die Vierzig belohnt, die lächelnd durch Parks joggt, um schließlich ihre glatte, nur leicht verschwitzte Stirn sanft an die faltige Gesichtslandschaft des Meisters zu lehnen. Das Frauenbild in ROT UND BLAU ist mehr als einmal sitzen geblieben. Dann gibt es noch den Aushilfslehrer Prezioso, der ein wenig desillusioniert wird, und ein wenig zu sehr einer Schülerin zugetan ist. Es gibt die Direktorin, die nie Kinder wollte und sich auf einmal um einen Jungen kümmern muss, dessen Mutter verschwunden ist. Ein Film aus der Lehrerperspektive, ausnahmsweise mal nicht an einer Problemschule, sondern an einer ganz normalen Oberschule.
In seinen besten Momenten hat ROT UND BLAU einen hübschen visuellen Humor. Als Fiorito sich umbringen will, hindert ihn daran der Umstand, dass direkt zu seinen Füßen plötzlich eine Baustelle entsteht. Wer stürzt sich schon gern auf Verkehrshütchen? In schlechteren Momenten wird dieser visuelle Humor ein wenig süßlich: aus der Baustelle wird ein Fitzelchen Park mit zwei symbolischen Bäumchen, just als Fiorito der hübschen Frau begegnet ist. Fiorito entpuppt sich schließlich auch als Top-Lehrer, dem die Schüler und Schülerinnen an den Lippen hängen, und auch den Aushilfslehrer lächeln schließlich alle an. ROT UND BLAU hat charmante Momente, ist aber ein wenig zu harmlos, um zu rühren und etwas zu sentimental, um etwas zu sagen zu haben.

Hannes Stein

Details

Originaltitel: Il rosso e il blu
Italien 2012, 98 min
Genre: Drama
Regie: Giuseppe Piccioni
Drehbuch: Giuseppe Piccioni, Francesca Manieri
Kamera: Roberto Cimatti
Schnitt: Esmeralda Calabria
Musik: Ratchev & Carratello
Verleih: Kairos Filmverleih
Darsteller: Roberto Herlitzka, Margherita Buy, Riccardo Scamarcio, Silvia D’Amico, Davide Giordano
FSK: oA
Kinostart: 10.09.2015

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