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Rogue One: A Star Wars Story

Ein Hauch von Zweifel

Stärker als alle bisherigen Star Wars-Filme geht ROGUE ONE auf die asiatischen Filme zurück, von denen sich George Lucas für den ersten Star Wars Film inspirieren ließ. Hier taucht nicht nur die Figur des blinden Schwertkämpfers Zatoichi, der Vorbild für die Jedi-Ritter war, selbst auf, der Film atmet insgesamt die existentialistisch-untergangsverhangene Stimmung der Hongkong- und Tokio-Noir-Filme der 60er bis 80er Jahre.

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Stärker als alle bisherigen Star Wars-Filme geht ROGUE ONE auf die asiatischen Filme zurück, von denen sich George Lucas für den ersten Star Wars Film inspirieren ließ. Hier taucht nicht nur die Figur des blinden Schwertkämpfers Zatoichi, der Vorbild für die Jedi-Ritter war, selbst auf, der Film atmet insgesamt die existentialistisch-untergangsverhangene Stimmung der Hongkong- und Tokio-Noir-Filme der 60er bis 80er Jahre. ROGUE ONE ist der düsterste Star Wars-Film bisher, noch düsterer als THE EMPIRE STRIKES BACK. Ziemlich harter Stoff für die lieben Kleinen, die später mit den Merchandising-Figürchen spielen sollen.

ROGUE ONE spielt unmittelbar vor A NEW HOPE und erzählt, wie die Rebellen an die Konstruktionspläne gekommen sind, die es Luke Skywalker ermöglichen, in A NEW HOPE den Todesstern zu zerstören. Das Imperium hat den genialen Wissenschaftler Galen Erso (Mads Mikkelsen) gezwungen, den Todesstern zu entwerfen, der aber hat einen Konstruktionsfehler eingebaut, durch den die Waffe angreifbar ist. Seine Tochter Jyn (Felicity Jones) muss mit einer zusammengewürfelten Truppe das Hauptquartier des Imperiums angreifen und die Datei mit den Konstruktionsplänen herausholen. Ein ziemlich riskanter Plot, denn wir wissen ja, wie die Sache ausgeht: Die Pläne werden bei den Rebellen landen. Das Team um Gareth Evans macht das mit prächtigen Panorama-Bildern, jeder Menge Action-Sequenzen und einem schmuddeligen Look wett. Die unbekannten Charaktere wecken zwar kein besonderes Interesse, aber haben ausreichende Präsenz, und an strategischen Punkten erscheinen dann eben doch einige Figuren aus den älteren Filmen, die in der Chronologie der Geschichte erst später eine Rolle spielen werden.

„Rebellionen werden aus Hoffnung erschaffen“ ist der Kernsatz ROGUE ONE, der natürlich auf den nächsten Film verweist, aber „Hope“ war eben auch einer der Kernbegriffe der Obama-Wahlkampagnen. Die Hoffnung in ROGUE ONE bezieht sich auf eine bessere Zukunft für die Galaxie, für die einzelnen Protagonisten gibt es wenig bis keine Zukunft. Für sie gibt es nur Opferbereitschaft im Namen dieser sehr abstrakten Hoffnung. Es ist eine seltsame, militaristische, protofaschistische Hoffnung die hier ins Spiel kommt. Sie erinnert an den Glauben ans „heilige Deutschland“, der einst von Wehrmachtssoldaten erwartet wurde, und an die Mystifikationen, mit denen sich die US-Armee in Propagandafilmen gern umgibt. Dass einige der ROGUE ONE-Rebellen während eines Pep-Talks Helme und improvisierte Uniformen tragen, die an amerikanische GIs erinnern, ist sicher kein Zufall. Andererseits zeigt ROGUE ONE seine Helden keineswegs als moralisch einwandfrei. Wenn es dem höheren Zweck nutzt und ihrem eigenen Überleben dient, töten sie auch mal einen Kameraden, der sonst mit Sicherheit gefangen genommen würde. Im Dialog wird angedeutet, dass die Rebellen noch einige Päckchen Schuld mehr auf sich geladen haben.

Das mehr oder weniger parlamentarische politische System der Rebellen erweist sich als äußerst schwergängig, misstrauisch und langsam, als Jyn vor dem Rat militärische Unterstützung dafür sucht, dem Imperium die Pläne des Todessterns abzujagen. Als der Rat sich schließlich entschließt, ist es fast zu spät. ROGUE ONE zeigt sich misstrauisch gegenüber der Demokratie, aber auch gegenüber der albernen Jedi-Religion, dem Zen-Faschismus, wie Jello Biafra diese Art von esoterischem Übermenschentum im Dead Kennedys-Song „California über Alles“ nannte. Das Beten zur Macht hilft hier nur sehr bedingt der eigenen Psyche, abgekratzt wird trotzdem. Politisch ambivalent war STAR WARS schon immer, ROGUE ONE injiziert wenigstens einen Hauch von Zweifel in den geschlossenen ideologischen Kosmos der weit entfernten Galaxie, vor langer, langer Zeit. Dennoch wartet der Film auf die Epiphanie einer wohlwollenden Erlöserfigur. Die erscheint schließlich, in der letzten, verblüffenden Szene.

Tom Dorow

Details

USA 2016, 134 min
Genre: Abenteuer, Action, Science-Fiction
Regie: Gareth Edwards
Drehbuch: Chris Weitz
Kamera: Greig Fraser
Schnitt: Jabez Olssen
Musik: Alexandre Desplat
Verleih: The Walt Disney Company Germany
Darsteller: Mads Mikkelsen, Diego Luna, Forest Whitaker, Alan Tudyk, Ben Mendelsohn, Riz Ahmed, Felicity Jones, Donnie Yen, Jonathan Aris
FSK: 12
Kinostart: 15.12.2016

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