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Traum vom Vloggen

Die Protagonist*innen aus Lena Leonhardts Dokumentarfilm haben sich den Traum von einem Leben als Vlogger und Weltreisende erfüllt. Nach der ersten Euphorie werden aber auch Ermüdungserscheinungen sichtbar.

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Der Traum: Nur noch für sich selbst arbeiten, an keinem Ort gefangen sein, vielleicht nur mit Handgepäck, um die Welt reisen, fast nebenbei ein Millionenpublikum über das Internet an diesen Erlebnissen teilhaben lassen, und damit reich werden. Flüge sind billig und WLAN ist überall.

Die Protagonist*innen aus Lena Leonhardts Dokumentarfilm ROAMERS haben sich diesen Traum erfüllt, und Enttäuschungen, beengende Arbeitsplätze, Vorurteile und ein Leben, das nicht „frickin‘ fantastic“ ist, zurückgelassen. Der ruhelose NAS hat sich mit dem Plan, 1000 Tage lang täglich ein Video zu produzieren, eine Fangemeinde aufgebaut, die er nun versorgen muss während er mit seiner Freundin Alyne, die selbst nichts so sehr hasst, wie sinnlos auch nur eine Tasse Kaffee zu trinken, herumreist. Matt hingegen verkauft Luxusimmobilien online, hält es nie länger als zwei Monate an einem Ort aus und genießt am Leben als digitaler Nomade vor allem die Möglichkeit, seinen Freundeskreis genau zu „kuratieren“. Das argentinische Paar Kim und Paolo wird von seinen Followern sogar schon auf der Straße erkannt, aber die Produzent:innen von individualisierten Pornos wissen auch, dass niemand von den Menschen, die sie als Produkt konsumieren, sie wirklich kennenlernen will oder darf. Und dann ist da Jonna, die eigentlich mit ihrem Mann die Welt umsegeln wollte, und sich dann, als er kalte Füße bekam, für das Meer entschied.

Der Film kombiniert das Material der Vlogger mit eigenen Aufnahmen, die klar machen, dass das selbstgewählte Leben der Protagonist*innen kein Abhängen am Strand zulässt, sondern ständige Anforderungen stellt, neue Abhängigkeiten schafft, und die Frage, was einmal im Alter sein wird, höchstens gestreift werden darf. Das notwendige Startkapital wird als gegeben angenommen. Und dennoch: Gegen Ende des Films zweifelt nur eine Person an ihrem Traum. Wie aufregend diese Träume sind, und wie erreichbar sie mit „etwas Aufopferung“ scheinen, daran lässt der Film auch teilhaben. Ein Wiedersehen in ROAMERS 2026 wäre in jedem Fall interessant.

Christian Klose

Details

Deutschland 2021, 97 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Lena Leonhardt
Kamera: Sebastian Bäumler, Josua Stäbler
Schnitt: Henning Nolte-Tschofen, Catrin Vogt
Musik: Christian Halten
Verleih: Camino
FSK: 16
Kinostart: 22.07.2021

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