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Indie-Fitness-Komödie

Die neue Indie-Komödie von Andrew Bujalski (COMPUTER CHESS) spielt in der sterilen Parallelwelt eines Fitnesstudios und seiner Kunden und zeichnet sich durch bizarre Dialoge und extrem verpeilte Charaktere aus.

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Andrew Bujalskis letzter Film, COMPUTER CHESS (2013), spielte in der Welt von Programmiernerds, die 1980 in einem kalifornischen Hotel Schachcomputer gegeneinander antreten lassen. In matschigem VHS-Schwarzweiß gedreht, erschien der Film wie ein Relikt aus einer anderen Welt, die von einer menschenähnlichen Spezies mit geringen sozialen Kompetenzen und dicken Hornbrillen bewohnt war. RESULTS führt in eine ähnlich lebensfeindliche Umgebung: Im Fitnesstudio Power4Life ist die Teamfarbe ein aggressives Knallgelb. Muskelbepackte Trainer bellen Kommandos wie „Wir sind alle ein Team. Lasst eure Kameraden nicht hängen!“ Im tageslichtlosen Büro erklärt Studiochef Trevor (Guy Pierce) Neuzugang Danny (Kevin Corrigan) seine Philosophie der vier Elemente: Körper, Geist, Seele und Gefühl. Danny, ein schlapper Mittvierziger mit durchscheinendem Schädelhaar, sagt, er wolle lernen, Schläge einzustecken und boxt sich zur Untermalung ein paarmal selbst mit der Faust ins Gesicht. Im Hintergrund verkündet ein Plakat: No Fear, No Excuses, No Surrender. Danny bucht Einzelcoaching für zwei Jahre im Voraus.

Alle Charaktere in RESULTS haben einen neben sich stehen. Das gilt in besonderem Maße für Trevor, der auch in privaten Alltagsgesprächen Motivationsblasen absondert, an die außer ihm niemand glaubt. Es gilt auch für Danny, der unlängst zu sehr viel Geld gekommen ist und nicht weiß, was er damit anfangen soll. Seine Strategie scheint zu sein, erstmal viele Sachen zu kaufen: eine E-Gitarre, eine Jazzcombo, Fitness-Einzelcoaching. Er bietet im Internet „200 $ für jemanden, der mir sofort den Fernseher anschließt“ und „200 $ für jemanden, der mir sofort eine saubere Katze vorbei bringt.“ In seinen sozialen Beziehungen bringt ihn das nicht wesentlich weiter. Coach Kat (Cobie Smulders) schließlich befindet sich in einer Art Dauerzirkeltraining. Wenn sie isst, dann Energieriegel, wenn sie trinkt, dann Smoothies, wenn sie sitzt, dann auf einem Gymnastikball und wenn sie irgendwo rumsteht, dann baut sie noch schnell eine Dehnübung ein. Nachlassen im Training nimmt sie sehr persönlich.

Lakonisch verfolgt RESULTS die exzentrischen Interaktionen der drei, die in einer ebenfalls irgendwie lakonisch wirkenden Vorortlandschaft stattfinden. Alles in RESULTS ist so gesichtslos und zweckmäßig wie das Fitnessstudio und etwa so öde wie die Oberfläche eines unbewohnten Planeten. Identische Würfelhäuser säumen leere Straßen. Wohnzimmer haben den Charme von Operationssälen. Sofas, die eventuell mondän wären, wenn sie denn ausgepackt wären, stehen verloren in gekachelten Räumen. Alles wirkt abwaschbar. Im Pool treibt eine Schwimmbrezel.

Ebenso wie die schrägen Dialoge verläuft die Handlung von RESULTS eigenwillig. Jeder in Bujaskis Filmen ist auf seiner jeweils eigenen Umlaufbahn unterwegs. Begegnungen haben etwas von Kollisionen. Die Aktionen und Gesprächsbeiträge der Protagonisten prallen aneinander ab wie Billardkugeln und schlagen dabei so unvorhersehbare Richtungen ein, wie Kugeln auf einem verzogenen Tisch. Als Trevor sein großes Fitness-Vorbild „You can cry or you can work“ Grigory Volkov trifft, kommt es zum Clash der Blasen. Ganzheits-Geschwafel gegen Kriegsrhetorik : „It’s like you say, I dream of something and than I make it happen” “No, what I say is: stop dreaming”. Einmal steigert sich Kat in einem Café in eine Diskussion hinein, ob ein Ei ohne Eigelb eine zusätzliche Dienstleistung ist oder eher mit einem Rabatt berücksichtigt werden sollte. Dass dabei überhaupt gelegentlich noch eine Verständigung erfolgt, ist eher überraschend. Und das ist es, wenn man mal so drüber nachdenkt, im richtigen Leben eigentlich auch. Ähnlich überraschend ist, dass einem die verqueren Protagonisten im Verlauf dieser unbedingt originellen Indie-Komödie dann doch sehr ans Herz wachsen.

Hendrike Bake

Details

USA 2015, 105 min
Sprache: Englisch, Japanisch
Genre: Komödie
Regie: Andrew Bujalski
Drehbuch: Andrew Bujalski
Kamera: Matthias Grunsky
Schnitt: Robin Schwartz
Musik: Justin Rice
Verleih: Peripher Filmverleih
Darsteller: Guy Pearce, Cobie Smulders, Kevin Corrigan
Kinostart: 03.03.2016

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