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Resident Evil: The Final Chapter

Millas, die auf Leichen starren

Die Geschichte ist hanebüchen, die 3D-Szenen sind solide gemacht und wenn man möchte, kann man auch ein paar Verweise auf aktuelle Themen wie Religion, Eliten und Flüchtlinge darin finden. THE FINAL CHAPTER bietet das Gefühl, einem talentierten Spieler beim Besiegen eines relativ guten Spieles aus den 1990ern mit eindrucksvoller Grafik zuzuschauen.

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Computerspielverfilmungen haben ja den schlechten Ruf, daß sie bestenfalls so unterhaltsam sind, wie jemand anderem beim Spielen über die Schulter zu schauen. Gerade bei der ersten RESIDENT EVIL-Verfilmung konnte man aber auf Besseres hoffen, weil sich die ersten Spiele in Handlung und Atmosphäre stark an Filmen wie DAWN OF THE DEAD und ALIENS orientierten. Zudem hatte Regisseur Paul W.S. Anderson schon mit MORTAL KOMBAT bewiesen, daß er selbst aus einem plotarmen Spiel einen akzeptablen Film machen konnte. Und tatsächlich stellte sich der Film als unterhaltsamer SciFi-Horror-Actionfilm heraus, der sowohl die Fans des Spiels als auch die des Filmgenres zufriedenstellen konnte. Es kam nun, wie es kommen musste: Zum Einen heirateten Anderson und seine Hauptdarstellerin Milla Jovovich (FIFTH ELEMENT), zum Anderen entwickelte sich bald ein lukratives Franchise. Rückblickend wurden die Filme zwar mit jedem Kapitel schlechter besprochen, die internationalen Einspielergebnisse stiegen aber und so ist RESIDENT EVIL inzwischen die finanziell lukrativste Videospielverfilmungsreihe überhaupt.

Dabei geht die Serie sehr gnadenlos vor: Jeder Film schließt mehr oder weniger direkt an seinen Vorgänger an und stellt so eher ein weiteres Kapitel einer größeren Geschichte als einen eigenständigen Film dar. Glücklicherweise beginnt jedes Kapitel auch mit dem gleichen Monolog, in dem Alice (Jovovich) erklärt, daß es vor Jahren in einem hochgeheimen Labor der Umbrella Corporation zu einem Zwischenfall kam, bei dem ein Zombievirus freigesetzt wurde und die Menschheit seitdem ums Überleben kämpft. Das ist an sich auch schon alles, was man wissen muss. Was nun folgt, ist eine Reihe von Szenen und Setpieces, die mehr oder weniger von Elementen aus den Spielen inspiriert sind, zum Großteil aber die neusten CGI-3D-Effekte und die Attraktivität von Andersons Angetrauter zeigen sollen. Charaktere sterben und tauchen wieder auf, allen voran der Oberschurke Albert Wesker, Alice verliert Ihre Superkräfte und bekommt sie wieder und am Ende geht der Kampf gegen Umbrella weiter. Insert Coin for more Bang. Und auch wenn der hier vorliegende Teil 6 sich „The final chapter“ nennt, dürfte diese Aussage so zutreffend sein wie FRIDAY THE 13TH: THE FINAL CHAPTER (1984, sieben weitere Fortsetzungen), wenn die Einspielergebnisse gut sind.

Also, once more unto the breach: Teil 5 endete damit, daß Wesker sich mit Alice für das letzte Gefecht der Menschheit verbündete und eine riesige Monsterarmee zum Angriff blies. THE FINAL CHAPTER beginnt nach der Schlacht. Alice rappelt sich aus den Ruinen des Weißen Hauses auf, vollkommen alleine wie zu Anfang. Zwei Monster später erhält sie eine Nachricht von der Red Queen, dem bösen Umbrella-Supercomputer: In 48 Stunden werden alle Menschen vernichtet sein, aber wenn Alice es schafft, innerhalb dieser Zeit in dem Hive, wo damals alles begann, einzudringen und ein Antivirus freizusetzen, gibt es noch eine Rettung. Dort wartet aber auch Wesker. Der hat sie nämlich doch wieder verraten.
Auf dem Weg gerät sie in Fallen, trifft alte Freunde und totgeglaubte Feinde, verteidigt eine Festung gegen eine Horde und kommt zum Schluss dem Komplott im Herzen von Umbrella auf die Spur. Und ein wenig auch ihrer eigenen Vergangenheit.

Die Geschichte ist hanebüchen, aber im Vergleich zu den beiden vorherigen Teilen gibt es wenigstens eine, die 3D-Szenen sind solide gemacht und wenn man möchte, kann man auch ein paar Verweise auf aktuelle Themen wie Religion, Eliten und Flüchtlinge darin finden. Aus einer ausgesprochen konservativen Perspektive, versteht sich. Anderson bedient sich großzügig bei anderen Filmen und bietet tatsächlich das Gefühl, einem talentierten Spieler beim Besiegen eines relativ guten Spieles aus den 1990ern mit eindrucksvoller Grafik zuzuschauen. Was ein bisschen fehlt sind Gore und der überbordende Spaß, der einen ähnlich gelagerten Film wie DOOMSDAY auszeichnet. Wer aber imposante Computerszenerien mehr schätzt als spritzendes Blut, darf hier gerne in eine große Tüte Popcorn investieren.

Christian Klose

Details

Deutschland/ Kanada/ Frankreich/ Australien 2016, 106 min
Sprache: Englisch
Regie: Paul W.S. Anderson
Drehbuch: Paul W.S. Anderson
Kamera: Glen MacPherson
Musik: Paul Haslinger
Verleih: Constantin
Darsteller: Ali Larter, Milla Jovovich, Iain Glen, Ruby Rose
Kinostart: 26.01.2017

Vorführungen

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