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Rave On

Tanz am inneren Abgrund

Für den RAVE ON wurden tatsächlich Partys veranstaltet, während denen dann guerillastyle gedreht wurde – man spürt, dass der Film direkt aus der Technokultur kommt.

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Kosmo ist fertig. Ziemlich fertig mit sich, wahrscheinlich fertig mit der Welt, vor allem fertig mit seiner Musik. Als DJ hat er früher mal Techno gelebt, um dann am entscheidenden Abend, beim Gig gleich nach dem verehrten Idol Troy Porter (Jamal Moss aka Hieroglyphic Being) komplett abzukacken. Alkohol, Drogen, alles vorbei. Jetzt legt Troy Porter im Schallwerk wieder auf. Kosmo muss dabei sein. Abgewrackt besucht er den Club, und der Film von Nikias Chryssos und Viktor Jakovleski verfolgt ihn die Nacht über, in einem Labyrinth aus Räumen, Ecken, Stroboskop. Zu Technobeats will Kosmo ans Ziel gelangen, das große, vielleicht letzte Ziel. In seiner Stofftasche hat er eine Platte mit seiner Musik, gutes altes Vinyl, die will er Troy Porter in die Hand drücken. Hindernisse im Weg: Türsteher, Backstage-Security, die ganzen Leute, die er im Club trifft und von früher kennt, und das Zeug, das ihm angeboten, ach was: aufgedrängt wird. Das er willig nimmt. Alkohol, Pillen, Pulver, Pulver, Pulver.
Für den Film wurden tatsächlich Partys veranstaltet, während denen dann guerillastyle gedreht wurde – man spürt, dass der Film direkt aus der Technokultur kommt, beim Clubben erhielt Jakovlevski die wichtigen Inspirationen, die er zusammen mit Chryssos („Der Bunker“) weiterentwickelte zu einem treibenden Tanz entlang von Kosmos innerem Abgrund: Er windet sich durch die Ebenen von Menschen und Bildern und Sounds, irgendwann scheint sich der Film aufzulösen in Dunkelheit, Beats und Visionen, und dann schafft er doch elegant den dramaturgischen Bogen …
Kosmo trifft mittendrin in der feiernden Menge seinen Ex-Professor, der ihn vollabert: In jedem Jahrgang gebe es ein Genie, einen Taxifahrer, einen, der sich umbringt. Mensch, was ist dieser versiffte, verlorene Akademiker froh, dass Kosmo noch lebt!

Harald Mühlbeyer

Details

Deutschland 2024, 81 min
Genre: Drama, Musikfilm
Regie: Nikias Chryssos, Viktor Jakovleski
Drehbuch: Nikias Chryssos, Viktor Jakovleski
Kamera: Jonas Schneider
Schnitt: Anselm Koneffke
Musik: Ed Davenport, John Gürtler
Verleih: Weltkino
Darsteller: Aaron Altaras, Clemens Schick, Isaak Dentler
FSK: 16
Kinostart: 31.07.2025

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