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Port Authority

Glamour und Zärtlichkeit

Paul landet allein in New York. Die glamouröse Wye führt ihn in die queere Ballroom-Szene ein, eine Community, die eigentlich nicht für ihn gemacht ist.

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Angeschwemmt in New York, einsam und verloren, sieht Paul (Fionn Whitehead) vor sich ein Licht aufgehen: Am Busbahnhof Port Authority, kurz nach seiner Ankunft, erblickt er Wye (Leyna Bloom) und ist verzaubert. Wye gehört zur Ballroom-Szene, einer Subkultur von und für queere, schwarze Menschen, und ist trans. Paul fühlt sich fremd in seiner weißen Cis-Hetero-Welt. Er verliebt sich in eine Frau, die viel zu cool für ihn ist, und in eine Community, die eigentlich nicht für ihn gemacht scheint.
Port Authority ist der erste Film mit einer schwarzen trans Frau in einer Hauptrolle, der in Cannes Premiere feierte. Es ist auch die erste Eigenproduktion der Streamingplattform MUBI, die – anders als etwa Netflix – nicht auf exklusive Online-Ausstrahlung setzt, sondern Filme auch ins Kino bringen will. Autorin und Regisseurin Danielle Lessowitz erzählt in ihrem Debüt-Langfilm die Geschichte ihrer eigenen Selbstfindung als queere Person – sie geriet in New York mit der Ballroom-Szene in Kontakt und genoss es, den empowernden Tänzen und Performances zuzuschauen. Ihre Sorgfalt im Versuch, den porträtierten Menschen gerecht zu werden, ist jederzeit spürbar. So werden etwa weite, spektakelhafte Aufnahmen vermieden, der Fokus wird auf die einzelnen Menschen gelegt, die ihren persönlichen Ausdruck zelebrieren. Zugleich bewundert der Blick der Kamera wie Paul von außen die atemberaubenden Tänze und prunkvollen Kostüme, getaucht in glamouröses Farblicht. Der zärtliche, spielerische Umgang in Wyes (Wahl-)Familie steht im Kontrast zu der toxischen Männlichkeit und internalisierten Homophobie, die ansonsten Pauls Umgebung ausmacht. Wye streicht ihm Glitzer auf die Wangen und bringt ihn zum Lächeln. Dennoch ist sie nicht seine gute Fee, sondern ein ganz und gar eigenständiger Mensch, und schließlich muss Paul ihr unabhängig von seinen eigenen Wünschen Respekt zollen, ehe er wirklich in die Familie aufgenommen werden kann.

Eva Szulkowski

Details

USA/Frankreich 2019, 94 min
Sprache: Englisch
Genre: Drama
Regie: Danielle Lessovitz
Drehbuch: Danielle Lessovitz
Kamera: Jomo Fray
Schnitt: Matthew C. Hart, Clémence Samson
Verleih: Edition Salzgeber
Darsteller: Fionn Whitehead, Leyna Bloom, McCaul Lombardi, Louisa Krause
Kinostart: 10.12.2020

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