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The Tribe

Neue und erschreckende Bilder

Ein Junge kommt neu in eine Schule für Gehörlose. Dort muss er sich innerhalb der die Schule beherrschenden Gang durchsetzen. Nur in Gebärdensprache´, ohne Untertitel schildert THE TRIBE eine moralisch völlig verkommene Gesellschaft, in der die Autoritäten entweder abwesend sind oder mit dem Verbrechen verbündet.

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Ein Schüler-Gang-Film in ukrainischer Gebärdensprache ohne Untertitel: eine spezielle Erfahrung ist THE TRIBE auf jeden Fall. Aber Probleme mit dem Verständnis gibt es nicht, die Handlung erschließt sich sofort: Ein Junge kommt neu in eine Schule für Gehörlose. Dort muss er sich innerhalb der die Schule beherrschenden Gang durchsetzen. Sergey arbeitet sich hoch. Angefangen bei simplen Diebereien in Zugabteilen, über brutale Raubüberfälle auf der Straße wird er zum Bewacher der Mädchen, die von der Gang prostituiert werden. Zum Konflikt kommt es, als er sich von einer der jungen Prostituierten mehr erhofft als schnellen Sex gegen Geld. THE TRIBE schildert eine moralisch völlig verkommene Gesellschaft, in der die Autoritäten entweder abwesend sind oder mit dem Verbrechen verbündet. Regisseur Myroslav Slaboshpytskiy hat einen Film gedreht, der eine eigene, extrem körperliche Filmsprache findet, bei der die Kamera fast immer in der Totalen oder Halbtotalen bleibt und lange Einstellungen und Steadycam-Sequenzen ausgeklügelte Choreografien begleiten. Das ist technisch brillant, und es erschafft neue und erschreckende Bilder. Die Entscheidung, die Dialoge nicht zu untertiteln, bedeutet einen Ausschluss der Zuschauer, verweist aber auch auf die Banalität der Dialoge im Film. Slaboshpytskiy zielt auf ein pures, visuelles Filmerzählen ab. THE TRIBE ist ein bewundernswertes Experiment, aber ein paar Einwände gibt es doch: Die Bewegungschoreografie des Films führt zu einer seltsamen Überhöhung des eigentlich realistischen Stils, die Szenen zu surrealen Metaphern gerinnen lässt. Damit werden die Gehörlosen in diesem Film wieder zu einer Metapher, wie es Behinderte im Film so oft sind, wenn sie nicht gerade als erzähltechnischer Kniff herhalten müssen. Hier stehen sie für eine brutale und tatsächlich „taubstumme“ Gesellschaft.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: Plemya
UA/NL 2014, 132 min
Genre: Drama
Regie: Myroslav Slaboshpitsky
Drehbuch: Myroslav Slaboshpitsky
Verleih: REM - Rapid Eye Movies
Darsteller: Grigoriy Fesenko, Yana Novikova, Rosa Babiy
FSK: 16
Kinostart: 15.10.2015

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