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Pioneer

Norwegen hat gewaltige Ölvorkommen in seinem Hoheitsgebiet entdeckt und entwickelt neue Tiefseetauchverfahren, um sie zu heben. Die Brüder Knut und Petter gehören zu den Tauchpioneren. Als Knut bei einem Tauchgang stirbt, beginnt Petter zu ermitteln und stößt auch ein Netz aus Intrigen. Thriller.

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PIONEER, der neue Thriller von Erik Skjolbjærg (INSOMNIA) spielt gegen Ende der 70er Jahre. Norwegen hat gerade gewaltige Ölvorkommen in seinem Hoheitsgebiet entdeckt. Um sie zu heben sind Bauarbeiten in über 500 Metern Wassertiefe nötig. Ein Expertenteam aus Amerikanern und Norwegern arbeitet gemeinsam an der Aufgabe, neue Tauchverfahren zu entwickeln, die die Tiefseebohrungen ermöglichen sollen. Die Stimmung ist gereizt, norwegische und amerikanische Taucher sind darauf versessen, die Ersten am Meeresboden zu sein und auf den erfolgreichen Entwickler warten unvorstellbare Gewinne.
Die Brüder Knut und Petter, gehören zum norwegischen Team. Zusammen mit dem jungen Jørgen dürfen sie den ersten Versuch wagen, auf einer Tiefe von 340 Metern zwei Rohre zu verschweißen. Die Expedition steht unter keinem guten Stern. Bereits im Vorfeld gibt es Stress wegen des Sauerstoffgemisches, das die Taucher bekommen sollen und darüber wer an der Expedition teilnimmt. Auf dem Weg nach unten in der Kapsel wird Jørgen schlecht. Dennoch wird weiter gemacht. Auf dem Meeresboden kommt es dann zu einem tödlichen Unfall: Petter schließt ein Ventil zu spät, es gibt eine Explosion und Knut stirbt. Der Unfallhergang wirft Fragen auf. War Petter fahrlässig? War die Sauerstoffverbindung kurz unterbrochen? War Knut schon vor der Explosion ohnmächtig? Als Petter, sobald er nach der zweiwöchigen Dekompressionsphase aus der Kapsel klettert, Antworten verlangt, tauchen weitere Ungereimtheiten auf und Petter beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln.
Bei den Unterwasseraufnahmen orientierten sich Skjolbjærg und Kameramann Jallo Faber
 an der Weltraumfotografie von Science Fiction Filmen. Klein und sehr verletzlich schweben die Taucher in einem tiefschwarzen Meer, ihr Überleben hängt gänzlich an der kleinen Luftleitung, die von denen oben im Labor kontrolliert wird. Ihr Equipment ist für heutige Vorstellungen unglaublich schäbig: Tauchhandschuhe und Leitungen sind mit Gaffertape abgeklebt, nichts ist doppelt gesichert. Im Innern der antiken Tauchkapsel, die von Designer Kalli Júlíusson, der auch schon für Kathryn Bigelow gearbeitet hat, extra nachgebaut wurden, herrscht dagegen klaustrophobische Enge. Die Kapsel löst Beklemmungen aus, wie ein massiver gelblich beleuchteter Sarg und ist zugleich unverzichtbarer Schutz gegen die tödliche Dekompressionskrankheit, die eine zu schnelle Luftdruckveränderung zur Folge haben würde.
Das Beklemmungs- und Bedrohungsgefühl, das in den ersten Tauchszenen so eindrucksvoll etabliert wird, bestimmt den ganzen Film, auch die Überwasserszenen. Als wäre die Rückkehr ans Tageslicht nicht geglückt und als würde der Druck auf den Ohren nicht aufhören. Meist nachts oder in Innenräumen rennt Petter von einer Sackgasse in die nächste, während der Score und Soundscape von „Air“ das Unterwassergefühl subtil aufrecht erhalten. Umso länger Petter wühlt, um die Wahrheit herauszufinden, umso gefährlicher wird es für ihn und umso brutaler agieren seine Widersacher. Wer die eigentlich sind, ändert sich in klugen Wendungen von Szene zu Szene, bis Petter das Gefühl hat, niemandem mehr trauen zu können. Wie in den Thriller-Klassikern der 70er Jahre, wie in THE PARALLAX VIEW oder THE MANCHURIAN CANDIDATE erscheint das Böse nahezu allumfassend. Damit, vor allem auch mit dem fantastischen Schlussbild des Films, das hier natürlich nicht verraten wird, liefert PIONEER auch einen sehr düsteren Kommentar zu den Grundlagen des norwegischen Wohlstandes.

Übrigens: Im Jahr 2013 verurteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte den norwegischen Staat zu Schadensersatzzahlungen an eine Gruppe von Pioniertauchern, die an der Erschließung der norwegischen Ölvorkommen beteiligt waren und später unter schweren Gesundheitsschäden litten.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: Beklemmender Retro-Taucher-Thriller
Norwegen 2013, 111 min
Genre: Thriller
Regie: Erik Skjoldbjærg
Drehbuch: Hans Gunnarsson, Nikolaj Frobenius, Cathinka Nicolaysen, Erik Skjoldbjærg, Kathrine Valen
Kamera: Jallo Faber
Schnitt: Frida Eggum Michaelsen
Musik: AIR
Verleih: farbfilm Verleih
Darsteller: Aksel Hennie, Jørgen Langhelle, Wes Bentley, Stephen Lang, Stephanie Sigman, Jonathan LaPaglia
FSK: 12
Kinostart: 30.10.2014

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