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Pause (2018)

Es brodelt in Elpida

Aus der Tristesse ihres Alltags flüchtet sich Elpida in kurze Tagträume, in denen sie sich gegen ihren unerträglichen Ehemann auflehnt oder heiße Küsse mit fremden Männern tauscht.

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Endlos scheint die Liste der möglichen Beschwerden zu sein, die Elpidas Gynäkologe ihr in Hinblick auf die anstehenden Wechseljahre in Aussicht stellt. Dabei ist ihr Alltag bereits trostlos genug. Ihr herrischer Mann Costas (Andreas Vassiliou) behandelt sie wie seine Leibeigene, die von ihm in keinster Hinsicht als Mensch mit Gefühlen und Bedürfnissen wahrgenommen wird und der er jegliche Freude am Leben verwehrt. Flucht aus dieser Tristesse findet Elpida (Stela Fyrogeni) nur in kurzen Tagträumen, in denen sie sich gegen Costas auflehnt oder heiße Küsse mit fremden Männern tauscht. Zunehmend verschwimmen dabei die Grenzen zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Nach und nach wird die in gedeckten, blau-grauen Farben ausgestattete Eintönigkeit ihres Alltags von roten Elementen durchbrochen. Das ist keine bahnbrechende Idee, aber so sensibel eingesetzt, wie Tonia Mishiali ihren gesamten Film inszeniert. Er baut durch die wiederholte Abbildung vermeintlicher Nebensächlichkeiten eine beklemmende Atmosphäre auf, die stellenweise nur schwer zu ertragen ist. Elpidas unterdrückte Emotionen brodeln in ihr und werden in ihrer Anspannung deutlich sichtbar. Ihre Körperhaltung und die sorgenvollen Blicke drücken mehr aus, als Worte es könnten, wobei ihre Passivität bisweilen auch frustrieren kann – sie selbst genauso wie das Publikum. Die meist stumme Elpida, deren Name ausgerechnet „Hoffnung“ bedeutet, ist keine Frau ohne Eigenschaften, aber bleibt schemenhaft genug um als Stellvertreterin für alle Opfer häuslicher Gewalt und Unterdrückung zu stehen. Für diejenigen, denen der Wunsch nach selbstbestimmter Sexualität, Lust und Zuneigung, egal in welchem Alter, abgesprochen wird. Für alle, die dringend eine Pause von ihrem Leben brauchen, um endlich leben zu können.

Katharina Franck

Details

Originaltitel: Pafsi
Zypern/Griechenland 2018, 96 min
Sprache: Griechisch, Englisch
Genre: Drama
Regie: Tonia Mishiali
Drehbuch: Tonia Mishiali, Anna Fotiadou
Kamera: Yorgos Rahmatoulin
Schnitt: Emilios Avraam
Musik: Julian Scherle
Verleih: Olymp Film
Darsteller: Stella Fyrogeni, Andreas Vasileiou, Popi Avraam, Marios Ioannou
FSK: 12
Kinostart: 18.06.2020

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