
Neue Notiz
Parthenope
Sirene in Neapel
Parthenope, die Sirene, der reihenweise Männer zu Füßen liegen, darunter ein Mafiosi, ein Schriftsteller und ein Priester, steigt nach Neapel hinab.
Parthenope, kurz und grob Partè, die schöne Sirene, kommt im knappen gelben Bikini daher. So knapp, dass man gar nicht anders kann, als sich auch noch das Fetzchen Stoff wegzudenken, das ihre Brüste mehr ent- als verhüllt. Und tappt so in die Falle, die die Kamera aufgebaut hat. Die nämlich zwingt dazu, den männlichen Blick einzunehmen - und zugleich decouvriert sie ihn. Die Vorstellung von der Frau als Lust und Verderben spendende Verführerin ist ein Produkt der Männerfantasie, sagt so Daria D'Antonio, die Frau (!) an der Kamera. Paolo Sorrentinos PARTHENOPE ist also nicht nur eine Hymne auf seine Heimatstadt Neapel, sondern korrigiert nebenbei auch das machistische Frauenbild seiner Bewohner. Konsequenterweise ist seine Sirene (Celeste Dalla Porta) nicht nur sehr schön, sondern auch eine Summa-cum-laude-Studentin (Anthropologie) und wird später als geachtete Professorin, doch einsam und so depressiv wie die Stadt, aus dem Norden zurückkehren nach Neapel.
Außerdem geht es um den Glauben schlechthin, behauptet jedenfalls der Regisseur; was sich aber nicht so recht erschließt. Dass die Story in den Fugen knarzt –egal. Man kann schließlich einfach zuschauen, sich umtun in der Riege der Männer, die hier nebst jungen Sirene-Jägern auftreten. Da gibt es den mafiotischen Commandante, einen melancholischen, meist volltrunkenen Schriftsteller, der als einziger Partè nicht an die Wäsche will und an Cholera stirbt, und Hochwürden (potthässlich). Die Wiederholung des Wunders von Gennaro gelingt ihm nicht, so sehr er auch die Ampulle mit dem Blut des Stadtheiligen schüttelt. Erfolgreich wird er wohl auch danach nicht sein, als er sich seiner Soutane entledigt und, bis auf eine kardinalrote Badehose nackt, vor Parthenope niederkniet, um Liebe flehend.
Italien/Frankreich 2024, 136 min
Genre: Drama
Regie: Paolo Sorrentino
Drehbuch: Paolo Sorrentino
Kamera: Daria D'Antonio
Verleih: Alamode Filmverleih
Darsteller: Celeste Dalla Porta, Silvio Orlando, Stefania Sandrelli, Gary Oldman, Luisa Ranieri, Isabella Ferrari
FSK: 16
Kinostart: 10.04.2025
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