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Parallele Mütter

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Zwei Mütter, die sich im Krankenhaus begegnen, die eine voller Angst, die andere überglücklich. Abwesende Mütter, abwesende Väter, abwesende Kinder. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

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Möglicherweise ist PARALLELE MÜTTER der beste Film von Pedro Almodóvar und möglicherweise auch der von Penélopez Cruz. Im Film spielt Cruz die professionelle Fotografin Janis. Eines Tages spricht Janis nach einem Shooting den forensischen Archäologen Arturo (Israel Elejalde) an und bittet ihn um Hilfe: Bei ihrem Dorf gibt es ein Massengrab mit Opfern der faschistischen Falangisten, die auch Janis‘ Großvater ermordet haben. Die Dorfgemeinschaft möchte die Leichen endlich bergen und bestatten, aber staatliche Unterstützung gibt es dafür nicht mehr. Aus der Begegnung entwickelt sich eine Affäre, und wenig später ist Janis schwanger. Anders als die 16-jährige Ana (Milena Smit), die sie im Krankenhaus trifft, ist sie überglücklich, Mutter zu werden. Die beiden Frauen freunden sich an.

Aus dieser Ausgangssituation entwickelt Almodóvar ein exaltiertes Melodrama mit den beiden Müttern im Zentrum, das an seine frühen Filme erinnert. „Exaltiert“ meint hier den Gang der Ereignisse: Die nächste Wendung ist nie vorhersehbar, und von Geburt bis Tod ist alles dabei. Erzählt wird das alles dagegen mit großer Ruhe. Die beiden Frauen in PARALLELE MÜTTER hätten jeden Grund, am Rande des Nervenzusammenbruchs zu sein, aber sie agieren zurückhaltend und überlegt. Die dramatischsten Szenen finden Off-Screen statt, und auf ein bitteres Zerwürfnis folgt am nächsten Tag ein Anruf. „Wir müssen reden.“ „Ja, wir sind doch erwachsene Menschen“. Dann wird eine Lösung gefunden. Es liegt etwas Tröstliches in der Sanftheit, mit der Almodóvar seine Protagonist*innen und ihre Lebensentscheidungen, und damit auch die Zuschauer*innen behandelt.

PARALLELE MÜTTER entfaltet seine emotionale Kraft fast unbemerkt. Almodóvars vielschichtige Erzählung reicht weit über das Drama der zwei, drei Personen im Mittelpunkt des Geschehens heraus. Parallele Mütter – das sind nicht nur Janis und Ana, sondern das sind auch Anas Mutter Teresa (Aitana Sánchez-Gijón), die lieber eine berühmte Schauspielerin als hingebungsvolle Mutter wäre, und Janis‘ Mutter und Großmutter, die wie sie alleinerziehend waren. Wie in zwei sich gegenüberstehenden Spiegeln ist die Reihe der parallelen Mütter - und der Väter, Töchter, Söhne, Nachbarn und Freundinnen – die Almodóvar im Blick hat, in beide Richtungen endlos.

PARALLELE MÜTTER handelt von Verknüpfungen, über Generationen hinweg, zwischen Menschen, die nicht notwendigerweise Familie sind, zwischen Anwesenden und Abwesenden, zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Von einer Zukunft, die sich in der Gegenwart entscheidet, und von einer Gegenwart, die nur im Wissen um die Vergangenheit begriffen werden kann. Dabei kehrt Almodóvar ganz allmählich zum fast vergessenen Ausgangspunkt seiner Erzählung zurück, zu Janis‘ Anliegen vom Anfang des Films - der Aufklärung der faschistischen Verbrechen.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: Madres Paralelas
Spanien 2021, 120 min
Genre: Drama
Regie: Pedro Almodóvar
Drehbuch: Pedro Almodóvar
Kamera: José Luis Alcaine
Schnitt: Teresa Font
Verleih: STUDIOCANAL
Darsteller: Penélope Cruz, Aitana Sánchez-Gijón, Daniela Santiago, Rossy de Palma, Milena Smit, Julieta Serrano
Kinostart: 10.03.2022

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