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Palästina 36

Historischer Widerstand

PALÄSTINA 36 ist der erste Spielfilm über die Entstehung eines palästinensischen Nationalbewusstseins und den palästinensischen Widerstand vor der Gründung des Staates Israel.

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PALÄSTINA 36 (OT: ALL BEFORE YOU) handelt von der als „Großer Arabischer Aufstand“ bekannten militanten Rebellion zwischen 1936 und 1939 in Palästina. Der Aufstand und der vorangegangene, von den palästinensischen Nationalkomitees organisierte Generalstreik von April bis Oktober 1936 richteten sich gegen die hohe Besteuerung der Landwirtschaft, die viele Kleinbauern dazu zwang, ihre Land an Banken, jüdische Immigranten oder arabische Großgrundbesitzer zu verkaufen, gegen den Austausch von arabischen Industriearbeitern durch jüdische und schließlich gegen die Empfehlung der „Peel-Kommission“, die 1937 die Teilung des Landes in einen jüdischen und einen arabischen Staat empfahl.

Vor allem aufgrund der gesellschaftlichen Debatten über den Nahost-Konflikt ist PALÄSTINA 36 ein wichtiger Film. PALÄSTINA 36 ist der erste Film über die Entstehung eines palästinensischen Nationalbewusstseins und den palästinensischen Widerstand vor der Gründung des Staates Israel, kofinanziert von der BBC, die sogar extra eine historische Studie in Auftrag gegeben hat, um einzelne Elemente des Films auf historische Korrektheit abzuklopfen. Viele, auch schockierende Elemente des Films, wie die Inbrandsetzung von Dörfern, die improvisierten Konzentrationslager, die sadistische Szene, in der ein Bus voller palästinensischer Gefangener gezwungen wird, über eine Landmine zu fahren, sind historisch korrekt. Für die beiden wichtigsten britischen Charaktere, den der palästinensischen Sache zugeneigten Thomas Lionel Hodgkin und den sadistischen Zionisten Captain Wingate, gibt es historische Vorlagen: Der Historiker Hodgkin war vorübergehend Sekretär des High Commissioners Wauchopewar (Jeremy Irons), und Orde Charles Wingate leitete die Aufstandsbekämpfung in Palästina und war dann an der Ausbildung des israelischen Militärs, den späteren Israeli Defense Forces (IDF), beteiligt. Es gab eine palästinensische Tageszeitung, die allerdings nicht von einer Frau geleitet wurde. Die Konflikte um Land und Arbeit, die Gründung neuer jüdischer Siedlungen als Festungen mit Wachtürmen, die Unterstützung für die Rebellion aus den Dörfern – das wird weitgehend historisch korrekt gezeigt.

Die Korrektheit in Details macht allerdings aus PALÄSTINA 36 noch keinen guten Film. Obwohl es um die Rebellion der Palästinenser geht, wird außer einer Szene, in der Aufständische einen Zug überfallen, um „Spenden“ für die Rebellion zu sammeln, beziehungsweise zu rauben, kein einziger rebellischer oder militanter Akt der Palästinenser gezeigt. Der „Anabta Vorfall“, mit dem die eigentlichen militärischen Auseinandersetzungen begannen, als eine Gruppe arabischer Aufständischer an einer selbst errichteten Straßensperre zwischen Nablus und Tulkarm zwei Juden erschoss, einen deutschen Christen aber „im Namen Hitlers“ laufen ließ, kommt nicht vor. Gewalt geht in diesem Film nur von den Briten und den Juden aus. Juden sind allerdings auch kaum zu sehen. Es gibt einen fast als Karikatur erscheinenden Rabbi, und junge Frauen, die eine neue Siedlung anlegen, in kurzen Hosen, von einem kleinen arabischen Mädchen bestaunt: „Warum haben die keine Hosen an?“

Um die historischen Ereignisse legt der Film kurze Episoden mit einem großen Ensemble und vielen Figuren an, die allerdings so schematisch gezeichnet sind, dass keine Empathie aufkommen mag. Superstar Hiam Abbas, die als Erste in der Besetzungsliste erscheint, hat nur eine kleine Rolle als Großmutter, in der sie kaum drei Sätze zu sagen bekommt. Immerhin ist eine dieser Szenen eine Lektion für die Enkeltochter. „Du hast etwas in dir, das mächtiger ist als das britische Empire. Du stammst aus einer Familie, die ihr Land liebt.“ Ähnliche Sinnsprüche gibt es von fast allen erwachsenen palästinensischen Protagonist*innen, darunter eine Journalistin, ein junger Bauer und Chauffeur, der sich dem Widerstand anschließt, und ein christlicher Pastor. Hauptantagonist ist Captain Wingate, der eine Art ruinierte Beatles-Perücke trägt, mit Mittelscheitel und fiesem Grinsen. PALÄSTINA 36 wirkt wie die verstümmelte Version einer Fernsehserie, in der für die Figurenentwicklung zu wenig Zeit blieb. Die karikaturartigen Inszenierungen, vor allem von Schurken (Juden und Briten, sowie Kollaborateuren), tun dem Film keinen Gefallen und lassen ihn propagandistischer erscheinen, als es wohl die Absicht gewesen sein mag.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: Palestine 36
Frankreich/ Katar/ Palästina/ Saudi-Arabien/ Großbritannien/ Jordanien 2025, 115 min
Genre: Drama, Historienfilm
Regie: Annemarie Jacir
Drehbuch: Annemarie Jacir
Kamera: Hélène Louvart, Sarah Blum, Tim Fleming
Schnitt: Tania Reddin
Musik: Ben Frost
Verleih: Alamode Filmverleih
Darsteller: Karim Daoud Anaya, Yafa Bakri, Hiam Abbass, Jeremy Irons
Kinostart: 14.05.2026

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Palästina 36

(Palestine 36) | Frankreich/ Katar/ Palästina/ Saudi-Arabien/ Großbritannien/ Jordanien 2025 | Drama, Historienfilm | R: Annemarie Jacir

PALÄSTINA 36 ist der erste Spielfilm über die Entstehung eines palästinensischen Nationalbewusstseins und den palästinensischen Widerstand vor der Gründung des Staates Israel.

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