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Oxana

Femen-Gründerin

Oxana Schatschko wird von Albina Korzh mit einer Vehemenz gespielt, die sie im Protest fast manisch und in der Depression akut suizidal erscheinen lässt.

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Junge Mädchen in bodenlangen weißen Kleidern stehen in einem Fluss und lassen im Feuerschein Blumenkränze zu Wasser. Es ist Iwan-Kupala-Tag in der Ukraine, Sommersonnenwende, und die Mädchen träumen von Heirat und Erlösung, nur eine beschließt, die Braut Gottes zu werden. Es ist Oxana (Oksana) Schatschko, die schon als Kind zur Ikonenmalerin ausgebildet wird und kurzfristig darüber nachdenkt, Nonne zu werden. Als Jugendliche malt sie weiterhin Ikonen, um Geld für die Familie zu erwirtschaften, aber der Kinderglaube ist Ernüchterung gewichen. Mit ihren Freundinnen liest sie August Bebel und Clara Zetkin und träumt von Revolution und Gleichberechtigung. Ihre politischen Aktionen, mit denen sie beispielsweise gegen den Prostitutionstourismus und korrupte Politiker demonstrieren, werden zunehmend lauter und gewagter, und eines Tages zieht Oxana spontan ihr T-Shirt aus, mit großem Medieneffekt. Die nackten Brüste und die ukrainischen Blumenkränze werden zum Wahrzeichen von „Femen“.

In ihrem Biopic wirft Charlène Favier in einzelnen Szenen grelle Schlaglichter auf Oxanas kurzes, extremes Leben: Oxana malt subversive Ikonen an der Kunstakademie in Paris, wohin sie 2013 emigriert. Oxana und ihre Mitstreiterinnen beraten über ihre nächsten Aktionen und beschließen, sich „Femen“ zu nennen. Oxana und ihre Mutter unterstützen einander liebevoll, während der Vater betrunken in seiner Arbeitslosigkeit sitzt. Oxana wird vom KGB verfolgt, gefoltert und in Russland inhaftiert. Oxana läuft an ihrem letzten Lebenstag wie abwesend durch die Straßen von Paris. Zeitlich elegant verflochten entwickeln die einzelnen Szenen dabei kaum einen Erzählfluss, sondern wirken eher wie Illustrationen wichtiger Lebensstationen, während die Dialoge Fakten beisteuern.

Oxana wird von Albina Korzh mit einer Vehemenz gespielt, die sie im Protest fast manisch und in der Depression akut suizidal erscheinen lässt. Für den Film ist sie eine Märtyrerin wie die Heiligen, die sie malt. Die abtrünnige Femen-Gruppe Frankreich dagegen besteht aus Naivlingen unter der Führung einer karrierebewussten Tyrannin. Mit Grau- oder Zwischentönen hält sich Favier nicht auf. Zuerst fand ich das irritierend, aber vielleicht ist es auch passend, fängt die Unbedingtheit ein, mit der Oxana Schatschko sich Politik und Kunst widmete, und lässt die Brüche bestehen, die sich nicht zu einer einheitlichen Lebenserzählung glätten lassen.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: Oxana (2024)
Frankreich/Ungarn/Ukraine 2024, 104 min
Genre: Drama
Regie: Charlène Favier
Drehbuch: Charlène Favier, Antoine Lacomblez, Diane Brasseur
Kamera: Éric Dumont
Schnitt: Monica Coleman
Musik: Delphine Malaussena
Verleih: X Verleih
Darsteller: Albina Korzh, Maryna Koshkina, Lada Korovai
Kinostart: 24.07.2025

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