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Vater – Otac

Zu Fuß nach Belgrad

Als ihm das korrupte Jugendamt seine beiden Kinder wegnimmt, beschließt Nicola, nach Belgrad zu gehen, um dort Beschwerde einzulegen. 300 Kilometer zu Fuß, denn er hat weder ein Auto noch Geld für den Bus.

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Nikola ist ein Mann um die 40. Sein Aussehen spiegelt die Armut wider, in der er und seine Familie leben. Seine Kleidung ist abgetragen. Seine Fingernägel sind dreckig von der Arbeit als Tagelöhner. Emotionslos hält er seinen Kopf meist gesenkt. Doch trifft sein eindringlicher Blick die Kamera, erkennt man seine Trauer und Verzweiflung, aber auch seine Hartnäckigkeit. Als ihm das korrupte Jugendamt seine beiden Kinder wegnimmt, beschließt er, nach Belgrad zu gehen, um dort Beschwerde einzulegen. 300 Kilometer zu Fuß, denn er hat weder ein Auto noch Geld für den Bus.

Das Unterwegssein bestimmt von da an die Handlung. VATER wird zum klassischen Roadmovie. Sein Weg führt Nicola durch die serbische Pampa. Sinnbildlich für die vergessene Peripherie Europas kommt er an ärmlichen Dörfern, stillgelegten Fabriken und verlassenen Häusern vorbei. Immer wieder geht er neben schnellbefahrenen Straßen entlang, wo das laute Brummen der Motoren verheißungsvoll in die moderne Hauptstadt weist. Oder er wandert wie im Western durch menschenleere, karge Landschaften, die die soziale Rohheit und seine Einsamkeit widerspiegeln.

Flüchtig begegnet Nikola etlichen Menschen unterwegs. Die meisten haben nicht viel mehr als er selbst. Einige helfen ihm kurzfristig mit einer Mitfahrgelegenheit oder einem Schlafplatz, andere versuchen ihn auszurauben. In der Summe erschrecken jedoch Indifferenz und Tatenlosigkeit der Menschen. Und Nikola bleibt der Willkür der Obrigkeit machtlos ausgeliefert. Auf diese Weise zeichnet der Gewinner des Panorama-Publikumspreises der Berlinale 2020 ein drastisches Sittenbild einer tief zerrütteten post-jugoslawischen Gesellschaft, die geprägt ist von Arbeitslosigkeit, Armut, Korruption und fehlender Solidarität.

Nina Linkel

Details

Originaltitel: Otac
Serbien/Kroatien/Deutschland 2020, 120 min
Sprache: Serbisch
Genre: Drama
Regie: Srdan Golubovic
Drehbuch: Srdan Golubovic, Ognjen Sviličić
Kamera: Aleksandar Ilic
Schnitt: Petar Markovic
Verleih: barnsteiner-film
Darsteller: Goran Bogdan, Boris Isakovic, Nada Sargin, Milica Janevski, Muharem Hamzić
FSK: 12
Kinostart: 02.12.2021

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