
Neue Notiz
One Battle After Another
Verpeilte Revolutionäre
Ein Film, in dem militante Linke die Helden sind, das System durchweg von Totalfaschisten korrumpiert ist und nicht die coolsten und großmäuligsten Figuren triumphieren, sondern die freundlichen, das war 2025 nicht zu erwarten.
Es heißt zwar im Abspann des neuen Films von Paul Thomas Anderson, er „basiere“ auf Thomas Pynchons Roman „Vineland“, aber eine „Vineland“-Verfilmung ist ONE BATTLE AFTER ANOTHER nicht. Von Pynchon bleibt vor allem das utopische Element einer omnipräsenten, mächtigen linken Gegenkultur übrig, bei der alle, von Skatepunks über sozial engagierte Migrationshelfer und revolutionäre Nonnen bis hin zu militanten Guerrilla-Organisationen einander helfen und gemeinsam kämpfen.
Dabei sieht ONE BATTLE zunächst aus, als sollte die Linke verspottet werden. Der Weiße „Rocketman“ aka „Ghetto Pat“ aka „Bob“ (Leonardo DiCaprio) und die Schwarze „Perfidia Beverly Hills” (Teyana Taylor) sind ein Paar. Er baut Dinge, die explodieren oder in die Luft fliegen, sie „stammt aus einer langen Linie von Revolutionären“, wie ihre Mutter erklärt, und sei damit eigentlich nicht gut genug für einen „White Boy“. Dabei ist Perfidia die dümmstmögliche Revoluzzerin, die während einer Befreiungsaktion im Abschiebelager kinky Sexspielchen mit dem fiesen Elitesoldaten Steven Lockjaw (Sean Penn) durchzieht und bei einem Banküberfall nicht nur einen Wachmann erschießt, sondern sich auch noch fassen lässt. Perfidia macht einen Deal mit Lockjaw und verrät ihre ganze Truppe, die sich „French 75“ nennt. Alle müssen untertauchen. Das Kind, das sie gemeinsam mit „Ghetto Pat“ aufzieht, dessen Erzeuger er aber möglicherweise nicht ist, bleibt bei ihm. Die beiden werden zu „Bob“ und „Willa“.
16 Jahre später ist Lockjaw zum Colonel befördert und will in einen faschistisch-rassistischen Eliteclub aufgenommen werden. Dafür darf er aber keine Sexkontakte zu Schwarzen gehabt haben. Lockjaw will seine Spuren verwischen, und die wichtigsten Spuren sind Bob und Willa.
Ein Film, in dem militante Linke die Helden sind, das System durchweg von Totalfaschisten korrumpiert ist und nicht die coolsten und großmäuligsten Figuren triumphieren, sondern die freundlichen, das war 2025 nicht zu erwarten. Der komplett hysterische Soundtrack und Szenen, die in denen es kracht, knallt und rumst wie in einem Marvel-Schinken, sowie ein Needledrop der hinreißend schönen Version des alten Songs „Perfidia“ des mexikanischen Trios „Los Panchos“ lassen sich ebenfalls feiern. ONE BATTLE AFTER THE OTHER macht Spaß und ruft, wenn nicht zur Revolution, dann wenigstens dazu auf, sich an Widerstand zu erinnern.
Originaltitel: One Battle After Another – The Battle of Baktan Cross
USA 2025, 170 min
Sprache: Englisch
Genre: Krimi, Drama, Schwarze Komödie
Regie: Paul Thomas Anderson
Drehbuch: Paul Thomas Anderson
Kamera: Paul Thomas Anderson, Michael Bauman
Musik: Jonny Greenwood
Verleih: Warner Bros.
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Chase Infiniti, Sean Penn, Teyana Taylor, Benicio Del Toro, Regina Hall, Alana Haim
Kinostart: 25.09.2025
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