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Obywatel – The Citizen

Der durch Kieślowski-Filme international bekannt gewordene Schauspieler Jerzy Stuhr hat sich in den letzten 15 Jahren auch als Regisseur einen Namen gemacht. Seine Werke tragen eine typische Autoren-Handschrift – sie pendeln zwischen Komik und Tragik, behandeln alltägliche Dinge mit großer Tragweite und haben mindestens eine Nebenrolle für den Regisseur parat.

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OBYWATEL ist zu 100% Stuhr – denn hier ist er in seiner Hauptrolle als Jan Bratek nicht nur Dreh- und Angelpunkt der Handlung, sondern wagt retrospektiv aus dem Krankenhausbett auch noch einen Parforceritt durch die gesamte polnische Geschichte nach 1945.

Genau genommen bekommt der Zuschauer sogar 200 % Stuhr, denn der junge Jan Bratek wird durch keinen Geringeren als Stuhrs Sohn Maciej verkörpert, der hier erstmals in die Haut seines Vaters schlüpft. Beide werden vom Strudel der Ereignisse immer wieder mitgerissen und haben dabei ein traumwandlerisches Geschick, zielsicher in den einzigen vorhandenen Fettnapf zu treten. Der Zuschauer bekommt also nicht nur einen tragisch-tolpatschigen Helden, mit dem er sich identifizieren kann, sondern auch noch eine außergewöhnliche Lehrstunde in Zeitgeschichte. Wo auch immer Geschichte geschrieben wird – ob nun Stalinismus, Solidarność oder Nachwendewirren – Bratek steht immer in der ersten Reihe, und zwar in derjenigen der Verlierer.

Stuhr verkörpert nicht nur einen Polen im Mahlstrom der Geschichte – er IST Polen. Seine Mischung aus Unbedarftheit, Feuereifer und wiederkehrendem Pech illustriert die Psyche einer ganzen Generation, die als Spielball der Kräfte wenig Raum zur Selbstverwirklichung hatte. Bei ihm gibt es keine Opfer und keine Täter, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, die haltlos im historischen Schlamassel des 20. Jahrhunderts treiben.

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