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Nymphomaniac II

An einem kalten Winterabend findet der einsame Junggeselle Seligman die zusammengeschlagene Joe in einer Gasse. Er nimmt sie mit in seine Wohnung, wo er ihre Wunden versorgt und ihr Fragen über ihr Leben stellt.

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Mit dem Zweiteiler NYMPH()MANIAC, der eigentlich als Einteiler konsumiert werden sollte, hat Lars von Trier sein bisher schillernstes Werk vorgelegt. Im Vorfeld als „Arthouse-Porno“ vermarktet verbindet NYMPH()MANIAC die episodische Struktur und die explizite Darstellung von Sex wie sie in Pornos üblich sind mit augenzwinkernden philosophischen Überlegungen, bildungsbürgerlichen Referenzen, politischen Statements, die direkt aus dem Mund des Autors zu stammen scheinen und einer Geschichte, in der es ums Ausgeschlossen sein und Angenommen werden geht. Die Geschichte hat die Form einer Beichte: zu Beginn findet der asexuelle Jude Seligmann (Stellan Skarsgård) die Nymphomanin Joe (Charlotte Gainsbourg) in einer Gasse in der Nähe seiner Wohnung. Er nimmt sie mit nach Hause und sie beginnt zu erzählen. In acht Kapiteln, die Namen tragen wie „The Compleat Angler“ oder "The Eastern and the Western Church (The Silent Duck)" berichtet sie von ihren frühesten sexuellen Erfahrungen, ihrer Entjungferung, ihrer großen Liebe, ihren Experimenten mit anonymem Sex, multiplen Lovern und Sadomasochismus. Sie erzählt von ihren Versuchen, der Sucht zu entkommen und von ihrer immer radikaleren Abkehr von der Gesellschaft. Während der erste Teil, der fünf Kapitel umfasst, sehr episodisch gehalten ist und distanziert amüsiert wirkt, sind die drei Kapitel des zweiten Teils, die Joes Weg in immer tiefere Verderbnis beschreiben, länger und intensiver auserzählt. Sie sind dunkler aber auch anteilnehmender. Während Joe berichtet, hört Seligman zu, vergibt und tröstet und findet noch in den größten Perversionen bizarre Analogien, die Joes sexuelle Erlebnisse mit Fliegenfischen, polyphoner Musik und dem Schisma des Christentums vergleichen.
Mal scheint das alles bitterernst, mal satirisch, mal wie ein Experiment, in dem die Zuschauer das Versuchskaninchen sind. Immer wieder enttäuscht von Trier mit voller Absicht die Erwartungen, springt zwischen den Genres umher und dreht den Kritikern eine Nase. Als Ganzes ist NYMPH()MANIAC kaum zu fassen und will es auch gar nicht sein. Kaum denkt man, man hätte einen Angelpunkt gefunden, macht der Film etwas Neues, dass der bisherigen Theorie widerspricht. Und der Autor selbst schweigt sich aus. Seit Lars von Trier in Cannes 2011 in einer Pressekonferenz nach dem Einfluss nationalsozialistischer Ästhetik auf MELANCHOLIA gefragt wurde, den versammelten Journalisten pampig ein „Ok, ich bin ein Nazi“ vor die Füße warf und in Folge aus dem Garten Eden verwiesen wurde, verweigert er jede Auskunft über seine Arbeit.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: Nymphomaniac 2
D 2013, 124 min
Sprache: Englisch
Genre: Drama
Regie: Lars von Trier
Drehbuch: Lars von Trier
Verleih: CONCORDE CR-T
Darsteller: Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgard, Stacy Martin
FSK: 16
Kinostart: 03.04.2014

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