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Noseland

Alberne Virtuosen

Aleksey Igudesmans Dokumentation über den Geigenvirtuosen Julian Rachlin, Veranstalter des jährlichen Klassik-Musikfestivals in Dubrovnik/Kroatien, ist ein kleines anarchistisches Werk, das die Protagonisten der klassischen Szene liebevoll veralbert.

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Klassische Musik wird in Deutschland gerne in die Kategorie „E“-Kunst eingeordnet, die sich anscheinend mit aller Macht von der sogenannten „U“-Kunst abgrenzen muss. Das „E“ steht für ernst, und wird entsprechend zelebriert. Dass das „U“ für Unterhaltung steht, wirft also ein wenig vielversprechendes Licht auf einen Film, der sich mit klassischer Musik beschäftigt, denn demzufolge könnte NOSELAND nur langweilig sein. Aleksey Igudesman straft diese Vorurteile und Abgrenzungen mit seiner Dokumentation über den Geigenvirtuosen Julian Rachlin, Veranstalter eines jährlichen Klassik-Musikfestivals in Dubrovnik/Kroatien der Lüge. Er präsentiert ein kleines anarchistisches Werk, das sich zwar mit den Protagonisten der klassischen Szene auseinandersetzt, dessen Agenda aber eher an die des Komikers Sacha Baron Cohen erinnert. In spontanen Interviews und Portraits, mit satirisch-überspitzen Gesprächen und dadaistisch anmutenden Einwürfen führt er in eine Welt ein, die wider erwarten großen Spaß daran hat, sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Dass es sich Klassikfans wie die Schauspieler John Malkovich und Roger Moore nicht nehmen lassen mitzumachen, hat auch damit zu tun, dass Igudesman in erster Linie ein weltbekannter Violinist und Dirigent ist. Hier allerdings lässt er keine Gelegenheit aus, sich über seinen Berufsstand lustig zu machen. Besonders gerne persifliert der Regisseur und Musiker die äußere Wahrnehmung und den salbungsvollen Umgang mit der klassischen Musik. Dabei schreckt er auch nicht vor Rap-Einlagen oder Theaterkritiken, die er für Malkovich vertont hat, zurück. Eine Sache nimmt der Film dann aber doch jederzeit ernst: die Musik. Und die wird in NOSELAND, trotz aller Albernheiten, ausgiebig zelebriert.

Jens Mayer

Details

Österreich 2012, 82 min
Sprache: Deutsch
Genre: Dokumentarfilm, Musikfilm
Regie: Aleksey Igudesman
Drehbuch: Aleksey Igudesman, Sebastian Leitner
Kamera: Sebastian Leitner
Schnitt: Sebastian Leitner
Musik: Gya Kancheli, Aleksey Igudesman, Richard Dubugnon
Verleih: missingFILMS
Darsteller: Boris Andrianov, Nicola Benedetti, Boris Brovtsyn
FSK: oA
Kinostart: 12.06.2014

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