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Nomaden des Himmels

Alltag in Jurte und Stadt

In einem abgelegenen kirgisischen Tal lebt eine Nomadenfamilie in einer Jurte und geht ihrem von jahrhundertealten Traditionen geprägtem Leben nach. Allein der Enkel in der Stadt entfernt sich zunehmend vom Nomadenleben, das ohnehin von Modernisierungen wie einem Verkehrsprojekt bedroht ist.

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Nomaden des Himmels: Ein Titel, der schlimmen Kitsch verspricht: Einfache Menschen, die vor malerischer Kulisse ihrem von Traditionen geprägten Leben nachgehen, unberührt von der Zivilisation, die jedoch drohend am Horizont zu ahnen ist. Dankenswerterweise erfüllt Mirlan Abdykalykovs Film die vom (deutschen Verleih)-Titel geschürten Befürchtungen nicht, auch wenn er sich bisweilen hauchdünn an Klischees und Stereotypen entlangbewegt. Die Geschichte, die er erzählt, liest sich zunächst wie das 1x1 des gerade im Westen so beliebten „Ethno-Kinos“: In einem abgelegenen kirgisischen Tal, fernab der Zivilisation, lebt eine Nomadenfamilie - bestehend aus Großeltern, Schwiegertochter und Enkelin - in einer Jurte und geht ihrem von jahrhundertealten Traditionen geprägtem Leben nach. Allein der Enkel lebt in der Stadt und entfernt sich zunehmend vom Nomadenleben, das ohnehin von Modernisierungen wie einem Verkehrsprojekt bedroht ist.
Die Qualität von Abdykalykovs Film lässt sich am besten dadurch beschreiben, was er nicht tut: Er schwelgt nicht in atemberaubenden Aufnahmen der Landschaft, die auch nicht mit bombastischer Musik unterlegt sind. Er spielt nicht Tradition und Moderne gegeneinander aus, sondern deutet ganz behutsam die Schwierigkeit an, ein bestimmtes Leben zu führen, wenn erhebliche Teile des Landes in eine andere Richtung streben. Er verklärt nicht die Traditionen, sondern zeigt sie in fast dokumentarischen Momenten als das, was sie für viele Nomaden in Kirgistan schlicht und ergreifend noch sind: gewöhnlicher Alltag. Ein Teil dieses Pragmatismus mag daher rühren, dass erstaunlicherweise keinerlei westliches Geld in der Produktion steckt. Die Konsequenz ist ein Film, der dezidiert nicht für ein westliches Publikum gemacht wurde, aber genau deswegen so interessant ist, beschreibt er doch frei von Exotismus einen Ausschnitt des Lebens in den Bergen Zentralasiens.

Michael Meyns

Details

Originaltitel: Sutak
Kirgisistan 2015, 81 min
Sprache: Kirgisisch
Genre: Drama
Regie: Mirlan Abdykalykov
Drehbuch: Ernest Abdyjaparov, Aktan Arym Kubat
Kamera: Talant Akynbekov
Verleih: Neue Visionen
Darsteller: Taalaïkan Abazova, Tabyldy Aktanov, Jibek Baktybekova
FSK: oA
Kinostart: 14.04.2016

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