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No Land's Song

Angst vor der weiblichen Stimme

Gegen den Widerstand der verängstigten Bürokraten will die Komponistin Sara Najafi in Teheran ein Konzert mit weiblichen Solosängerinnen organisieren, bei der Lieder von Qamar-ol-Moluk Vaziri aufgeführt werden sollen, die tabuisierte Themen verhandeln.

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Wenn Sara Najafi mit den Behörden spricht, bleibt das Bild schwarz. Wir hören nur, was die Beamten zu ihr sagen, aber sehen können wir die Männer nicht. Das hat legale Gründe, denn natürlich darf ihr Bruder, der Filmemacher Ayat Najafi die Termine nicht mitfilmen, die seine Schwester im Kulturministerium von Teheran hat. Aber es ist auch das perfekte Bild für das schwarze Loch in einem repressiven System, in dem die Bürokraten unsichtbar bleiben und niemand für irgendetwas verantwortlich ist. Auf der anderen Seite sprechen die Beamten erstaunlich offen, wenn sie sich in ihren eigenen vier Wänden unbeobachtet fühlen. Und da wird auch ihr Motiv offenbar, das die Staatsdiener dazu anhält, die scheinbar so harmlose Bitte der iranischen Komponistin abzuschlagen, die doch einfach nur ein Konzert mit weiblichen Solosängerinnen organisieren will: Angst. Was ist, wenn jemand im Publikum plötzlich mit einem grünen Schal winkt? Nur ein Funke und eine neue Revolution wird entfacht, und das alles wegen ein paar Liedern und ihren Interpretinnen? Sara Najafi ist eine bewundernswerte Frau, die beharrlich für ihre künstlerische Vision kämpft, die natürlich eine hochpolitische ist: Die weibliche Solostimme soll wieder öffentlich im Iran gehört werden. Sie möchte Lieder von Qamar-ol-Moluk Vaziri, der Königin der persischen Musik, aufführen, die lange vor der Revolution von 1979 über Tabus wie Alkohol und Sexualität sang. NO MAN’S LAND ist ein leidenschaftlicher Film, so wie seine Protagonistin, die demonstrativ eine rote Hidschāb trägt. Er ist kraftvoll, mitreißend, wütend, witzig, deprimierend, aberwitzig und zuversichtlich. Das hat er mit FOOTBALL UNDER COVER gemeinsam, dem ersten Film des in Berlin lebenden Ayat Najafi, der darin eine iranische Frauenfußballmannschaft porträtierte.

Jens Mayer

Details

Deutschland/Frankreich 2014, 91 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Ayat Najafi
Drehbuch: Ayat Najafi
Kamera: Koohyar Kalari, Sarah Blum
Schnitt: Julia Wiedwald, Schokofeh Kamiz
Musik: Parvin Namazi
Verleih: Basis-Film Verleih
Darsteller: Parvin Namazi, Sayeh Sodeyfi, Elise Caron
FSK: oA
Kinostart: 10.03.2016

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