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Nachlass

Hochpersönliche Auseinandersetzungen

Christoph Hübner und Gabriele Voss befragen die Nachkommen von Nazi–Tätern darüber, was das Wissen um die Taten der Väter und Großväter in ihrem Leben ausgelöst hat.

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Ein bisher selten beleuchteter Aspekt der Aufarbeitung der NS–Zeit: Christoph Hübner und Gabriele Voss befragen die Nachkommen von Nazi–Tätern darüber, was das Wissen um die Taten der Väter und Großväter in ihrem Leben ausgelöst hat. In den Lebensgeschichten aller Protagonisten kam die schmerzhafte Erkenntnis über die Vergangenheit des Vaters recht spät, mal zufällig, mal durch nach dem Tod vererbte Papiere und NS-Auszeichnungen. Keiner der Väter hat ehrlich über seine Taten gesprochen, die Gesprächsversuche der Kinder blieben in allen Fällen erfolglos. Den langen Gesprächen mit vier Kindern und einem Enkel von Nazi-Tätern zu folgen, braucht Geduld und den Willen, sich auf die Thematik einzulassen. Wenn man das tut, erlebt man hochpersönliche Auseinandersetzungen mit einem Erbe, das die Betroffenen in einen Strudel aus Wut, Schuldgefühlen, intensiver Reflexion und Traurigkeit gestürzt hat, und die wohl lebenslang nicht abgeschlossen sein werden. Und so schwer und entsetzlich diese Auseinandersetzung ist: Im Kontrast zur Verdrängung der Täter und ihrer Unfähigkeit zu trauern ist die Fähigkeit zu tiefer Trauer und Mitgefühl, die bei den Nachkommen spürbar ist, ein großer, Hoffnung machender Fortschritt.
Eine erfrischende Ergänzung ist die Perspektive einer jungen israelischen Historikerin, die ihre Heimat verlassen hat, um in der Berliner Ausstellung „Topographie des Terrors“ Aufklärung zu betreiben über einen Aspekt, der sie unorthodoxerweise mehr interessiert als die Perspektive der Opfer: Täterforschung. Auch wenn die junge Frau durch das Erbe ihres Großvaters, eines Auschwitz-Überlebenden, tief geprägt ist, hat sie einen eigenen konstruktiven Umgang damit gefunden. Für die zweite Generation der Nachkommen scheint dies auch bei den deutschen Hinterbliebenen leichter möglich.

Susanne Stern

Details

Deutschland 2017, 108 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Christoph Hübner, Gabriele Voss
Drehbuch: Christoph Hübner, Gabriele Voss
Kamera: Christoph Hübner
Verleih: Film Kino Text
FSK: 6
Kinostart: 27.09.2018

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