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N – Der Wahn der Vernunft

Die Grenzen der Sprache

Der belgische Musiker und Globetrotter Raymond Borremans, der 1929, mit 23 Jahren nach Afrika ging, hinterließ nichts als eine Enzyklopädie, die er über diese ihm fremde Welt erstell hatte. Sie blieb unvollendet. Borremans starb, als er gerade bei dem Buchstaben N angekommen war. In seinem Essayfilm nähert sich Peter Krüger seinem Landsmann auf assoziative, poetische Weise.

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Dokumentaraufnahmen oder Fotos von Raymond Borremans scheint es kaum zu geben, Tagebücher oder sonstige schriftliche Aufzeichnungen über sein Leben hat der belgische Musiker und Globetrotter, der 1929, mit 23 Jahren nach Afrika kam, offenbar auch nicht hinterlassen. Einzig bekannt ist, dass Borremans eine Enzyklopädie über diese Welt, die ihm und anderen Europäern so fremd war, erstellte und sein Lebenswerk unvollendet blieb. Denn er starb, als er gerade bei dem Buchstaben N angekommen war. Viel Raum zur Spekulation also und viel Freiheit für einen Regisseur, sein Subjekt zum Leben zu erwecken und aus den wenigen Spuren dieses Lebens einen Film zu formen. Peter Krüger nutzt diese Freiheit und lässt Borremans als eine Art Geist auferstehen, den der Schauspieler Michael Lonsdale (MÜNCHEN) mit seiner charakteristischen, tiefen Stimme spricht. Der Bogen, den Krüger dabei schlägt, reicht bis in die Gegenwart der Elfenbeinküste, wo im Bürgerkrieg Bevölkerungsgruppen gejagt wurden, die jahrelang friedliche Mitbürger waren.
Wie Worte Ordnung suggerieren können, aber in Wirklichkeit nur unbefriedigende Hilfsmittel sind, um das Chaos der Welt zu erfassen, das ist, sehr grob gesagt, die Essenz von Peter Krügers N - DER WAHN DER VERNUNFT. In seinem teils klassischen Dokumentarfilm, meist jedoch experimentellen Essayfilm beschäftigt sich der aus Belgien stammende Krüger auf meandernde, assoziative Weise mit seinem Landsmann Borremans. Mit seinen ausgesprochen persönlichen Assoziationen, die entschieden mehr über den Regisseur als den Verstorbenen sagen, schlägt er einen weiten Bogen von den Erfahrungen eines weißen Emigranten zur afrikanischen Gegenwart, von Worten zu Waffen, von der Vergangenheit zur Zukunft. Stellenweise wirkt das etwas bemüht und vage, oft aber auch stimulierend und originell.

David Herger

Details

Originaltitel: N – The Madness of Reason
Deutschland/Niederlande/Belgien 2014, 102 min
Genre: Dokumentarischer Film
Regie: Peter Krüger
Drehbuch: Peter Krüger
Kamera: Rimvydas Leipus
Schnitt: Nico Leunen
Musik: Walter Hus
Verleih: Real Fiction Filmverleih
Darsteller: Hamadoun Kassogué, Wendyam Sawadogo, Vieux Farka Touré
Kinostart: 26.03.2015

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