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My Salinger Year

Berlinale-Eröffnungsfilm: Ein buntes Wölkchen

MY SALINGER YEAR ist die Verfilmung eines autobiografischen Romans von Joanna Smith Rakoff über ihre Zeit als Assistentin in einer renommierten New Yorker Literaturagentur, wo sie in Mitte der 90er Jahre unter anderem die Aufgabe hatte, die Fan-Briefe an den zurückgezogen lebenden J.D. Salinger zu lesen.

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Als Berlinale-Eröffnungsfilm erwartet niemand ein Meisterwerk. 2020 beginnt das Festival mit einem bunten filmischen Wölkchen von Philippe Falardeau (MONSIEUR LAZHAR). MY SALINGER YEAR ist die Verfilmung eines autobiografischen Romans von Joanna Smith Rakoff über ihre Zeit als Assistentin in einer renommierten New Yorker Literaturagentur, wo sie in Mitte der 90er Jahre unter anderem die Aufgabe hatte, die Fan-Briefe an den zurückgezogen lebenden J.D. Salinger zu lesen. Zwar werden die Briefe nicht an Salinger weitergeleitet und nur mit Formbriefen zu beantwortet, aber seit dem Mord an John Lennon, dessen Attentäter eine Ausgabe des „Fängers im Roggen“ in der Tasche hatte, ist die Agentur vorsichtig geworden. Margaret Qualley (bekannt aus der exzellenten TV-Serie „The Leftovers“) wirkt in der Hauptrolle als Joanna unterfordert. Joanna will eigentlich Schriftstellerin werden und ist zu naiv und fehlerlos um interessant zu sein. Sigourney Weaver als ihre taffe Chefin Margaret setzt einen perfekten Susan Sonntag-Look auf, porträtiert die Literaturagentin erwartungsgemäß souverän, zumal sie als eine der wenigen noch lebenden Schauspielerinnen weiß, wie man richtig raucht. Der altmodische Stil der Agentur und Margarets Abneigung gegen Computer nehmen größeren Raum ein als die Literatur selbst: In der Agentur wird alles noch mit elektrischen Schreibmaschinen erledigt, ein Fotokopierer wird wie ein technisches Wunder behandelt. Aber auch außerhalb der Agentur wird noch gehofft, dass diese Sache mit den Emails hoffentlich nur eine vorübergehende Mode ist. Joanna hat irgendwann selbst „Jerry“ Salinger am Telefon, der ihr gute Ratschläge zum Schreiben gibt („Jeden Tag eine Viertelstunde“). Wenn sie die Briefe der Fans liest, sind die Briefschreiber*innen in kurzen surrealen Szenen zu sehen, wie sie in überhöhten Alltagssituationen ihre Texte sprechen. Das ist alles ganz hübsch, wenn auch nicht weltbewegend. Am Freitag beginnt der richtige Wettbewerb.

Tom Dorow

Details

CDN/IRL 2020, 101 min
Sprache: Englisch
Genre: Drama, Literaturverfilmung
Regie: Philippe Falardeau
Drehbuch: Philippe Falardeau
Verleih: KOCH FILMS
Darsteller: Sigourney Weaver, Douglas Booth, Colm Feore

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