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Mustang

Mädchen und Freiheit

Nachdem der Großmutter in einem kleinen Dorf an der Schwarzmeerküste zu Ohren kommt, dass ihre Enkelinnen beim Planschen mit Jungs gesichtet wurden, brechen drakonische Maßnahmen über sie herein. Die fünf Mädchen werden weggesperrt und eine nach der anderen verheiratet. Die Jüngste, Lale, begehrt auf. Ein energiegeladenes Debut von Deniz Gamze Ergüven.

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Sonne, Meer, Ferien. Fünf Mädchen, die Jüngste um die 10, die Älteste vielleicht so um die 17 Jahre alt, toben nach Hause, in das winzige türkische Dorf an der Schwarzmeerküste, in dem sie bei Onkel und Großmutter wohnen. Nach und nach werden im Laufe des Films individuelle Charakterzüge sichtbar werden, doch zunächst sind diese fünf als amorphe, wilde, kichernde Masse inszeniert. Unbändige Energie, wehende Haare im Gegenlicht, und die Anzeichen einer erwachenden Sexualiät - die eingedämmt werden muss, koste es, was es wolle. Als die Großmutter erfährt, dass die Mädchen mit Jungen im Meer gesichtet wurden, wird das Haus zur Festung ausgebaut und das Regime drinnen auf Kloster umgestellt. Die Mädchen werden aus der Schule genommen, die Erziehung hat nur noch ein Ziel: „die gute Ehefrau“...
Auch wenn die Geschehnisse im Film auf reale Vorkommnisse zurückgreifen, haftet der drakonischen (Um)erziehung ebenso wie den lichtdurchfluteten Teenagerbildern zuvor etwas Surreales an. Wenn mit jedem Vergehen die Barrikaden um das Haus mit den vielen Fenstern wachsen, dann erinnert das an ein Theaterstück von Ionesco. Regisseurin Deniz Gamze Ergüven nennt neben so unterschiedlichen Filmen wie WILD AT HEART, DIE 120 TAGE VON SODOM, FISH TANK, DIE FLUCHT AUS ALCATRAZ und den Filmen der italienischen Neorealisten auch Märchen als Inspiration. Sie sieht die Mädchen, vielleicht die widerständigen Frauen überhaupt, als fünfköpfige Hydra – obwohl das Zauberwesen bekämpft wird und ein Glied nach dem anderen verliert, lebt es weiter. Wie das titelgebende Wildpferd und der überwiegend aus Laien bestehende Cast versprüht ihr Langfilmdebüt viel Energie. Vielleicht sind es auch die Funken eines Paradoxons: Ergüvens Analyse der Situation von Frauen in der ländlichen Türkei ist einerseits zutiefst hoffnungslos. Andererseits ist der Ausbruchswille so vehement, dass nicht vorstellbar ist, wie sich das Patriarchat diesem Sturm lange entgegenstellen will.

Hendrike Bake

Details

Deutschland/Frankreich/Türkei 2015, 97 min
Sprache: Türkisch
Genre: Drama
Regie: Deniz Gamze Ergüven
Drehbuch: Alice Winocour, Deniz Gamze Ergüven
Kamera: David Chizallet, Ersin Gok
Schnitt: Mathilde Van de Moortel
Musik: Warren Ellis
Verleih: Weltkino Filmverleih
Darsteller: Güneş Nezihe Şensoy, Doğa Zeynep Doğuşlu, Elit İşcan, Tuğba Sunguroğlu, İlayda Akdoğan
FSK: 12
Kinostart: 25.02.2016

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