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Mülheim Texas: Helge Schneider hier und dort

Metaklamauk

MÜLHEIM - TEXAS zeigt Schneider vor allem bei der Arbeit, beim Proben und Komponieren, beim Mit-der-Presse-reden, und nicht zuletzt, auf der Bühne, beim Witze machen, beim Musik machen. Dabei entsteht das Bild einer komödiantischen Sensibilität, die mit Sprache und Mitteln des Jazz mehr zu tun hat als mit der Effektivität von Gags.

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In seiner "Guten Tach, auf Wiedersehen" betitelten "Autobiographie Teil I" berichtet Helge Schneider von dem einschneidenden Erlebnis seines ersten Konzertes, im Alter von ca. vier Jahren: "Ich bin der Größte, ganz klar, ich muss den ersten Preis bekommen. Die anderen, die da auftreten, machen mehr so Schnulzen. Und zwei mit Gitarre, Junge und Mädchen, singen was vom Lagerfeuer. Als genau die gewinnen, bricht eine Welt für mich zusammen. Beim nächsten Konzert verspiele ich mich direkt am Anfang und haue auf die Tasten und sage laut ins Mikrofon: 'Scheißearschloch.' Ich habe das, was hinter solchen Aufführungen steckt, schnell durchschaut. Ich will nicht funktionieren, ich will kreativ sein." Von dort ist der Weg nicht weit zum Jazz, und der Weg dahin geht über Charly, und über ihn sagt Helge: "Alles was Charly macht ist Jazz. Seine Einzimmerwohnung ist Jazz." Alles was Helge Schneider macht ist auch Jazz. An Andrea Roggons Doku MÜLHEIM TEXAS lässt sich das schön nachvollziehen. Der Film zeigt Schneider vor allem bei der Arbeit, bei Vorbereitung und Dreh von 00 SCHNEIDER – IM WENDEKREIS DER EIDECHSE, beim Proben und Komponieren, beim Mit-der-Presse-reden, und nicht zuletzt, auf der Bühne, beim Witze machen, beim Musik machen - besonders schön - beim Auftritt mit der amerikanischen Beatboxerin und Stimmkünstlerin Butterscotch, der gleichzeitig die erste Begegnung der beiden ist. Dabei entsteht das Bild einer komödiantischen Sensibilität, die mit Sprache und Mitteln des Jazz mehr zu tun hat als mit der Effektivität von Gags. Immer wieder dazwischen Momente eines langen Interviews, Selbstauskünfte eines klugen Clowns, mal mehr ("Ich rebelliere gegen den Irrsinn der Realität") mal weniger naheliegend ("Wenn ich aus meinem Gefängnis ausgebrochen bin, bin ich nicht frei, sondern allein.") Einen vermeintlichen privaten Kontext für an ein Publikum gerichtete Komik freizulegen, bemüht MÜLHEIM - TEXAS sich gar nicht. Eher ist ihm dran gelegen, etwas wie ein Prinzip Helge Schneider zu verdeutlichen. Ein Metaklamauk sozusagen, und ein wunderbarer obendrein.

Sebastian Markt

Details

Originaltitel: Mülheim – Texas: Helge Schneider hier und dort
Deutschland 2015, 88 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Andrea Roggon
Drehbuch: Andrea Roggon
Kamera: Petra Lisson
Schnitt: Natali Barrey, Bernd Euscher, Julia Karg
Musik: Helge Schneider
Verleih: Piffl Medien
Darsteller: Helge Schneider
FSK: oA
Kinostart: 23.04.2015

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