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Mord in Pacot

Psychosexuelles Kammerspiel auf Haiti

Raul Pecks Thriller MORD IN PACOT handelt von einem Paar aus der gehobenen Mittelschicht Haitis, dessen Villa durch das Erdbeben von 2010 größtenteils zerstört wurde. Um an Geld für die Reparatur zu kommen vermieten sie das obere Stockwerk an einen weißen NGO-Mitarbeiter, der seine aufstiegswillige einheimische Geliebte mitbringt.

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Das Erdbeben in Haiti 2010 kostete über 300.000 Menschenleben und machte über 1,5 Millionen Menschen obdachlos. Unmittelbar auf die Zerstörung folgte eine Welle von internationaler Unterstützung, die Heerscharen von NGOs in das Land brachte. Bill Clinton, der einer Kommission vorsaß, die die internationalen Hilfsbemühungen im Namen der UNO koordinierte, erklärte, dass er in der Situation eine große Chance für das Land sehe, seiner Vergangenheit zu entkommen.
TÖDLICHE HILFE, Raoul Pecks Dokumentarfilm von 2013, widmete sich unsentimental der Frage wer hier wem und auf wessen Kosten half. Nach diesem Exposé über das Unbehagen in der politischen Hilfsökonomie verarbeitet Peck das Sujet nun in einem psychosexuellen Kammerspiel. MORD IN PACOT handelt von einem Paar aus der gehobenen Mittelschicht, das sich in der Garage seiner halb zerstörten Villa eine notdürftige Unterkunft eingerichtet hat. Um an Geld für die Reparatur des Hauses zu kommen, vermieten sie das obere Stockwerk an einen weißen NGO-Mitarbeiter, der seine aufstiegswillige einheimische Geliebte mitbringt. Mühsam hält das Vermieter-Paar die Trauer um den vermissten Adoptivsohn unter Verschluss und setzt sich mit dem Statusverlust auseinander. Der Fremde sammelt Fotos mit dankbaren Hilfsobjekten als wären sie Trophäen. Die junge Frau und die Anziehung, die sie auf alle anderen ausübt, setzen eine unerbittliche Energie frei, die alle aus den Reserven ihres Selbstverständnisses holt, und erinnern damit an Pasolinis TEOREMA. Früher habe das Land den Reichen gehört, sagt sie einmal. Jetzt, da es zerstört ist, gehöre es allen.
Pecks Thriller legt einen Blick auf die Morphologie einer Katastrophe frei, deren konkrete Gestalt sich weniger aus tektonischen Plattenverschiebungen, als aus einer langen postkolonialen Geschichte erklärt, von der auch intimste Momente nicht unberührt bleiben.

Sebastian Markt

Details

Originaltitel: Meurtre à Pacot
Frankreich/Norwegen/Haiti 2014, 130 min
Genre: Drama
Regie: Raoul Peck
Drehbuch: Pascal Bonitzer, Raoul Peck, Lyonel Trouillot
Kamera: Eric Guichard
Schnitt: Alexandra Strauss
Musik: Aleksey Aygi
Verleih: EZEF
Darsteller: Lionel Alex Descas, Thibault Vinçon, Lovely Kermonde Fifi, Joy Olasunmibo Ogunmakin
FSK: 12
Kinostart: 17.09.2015

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