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Mord im märkischen Viertel

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Auf die 1969/70 gestartete Entspannungspolitik des Westens reagierte die SED mit verstärkter Abgrenzung: Statt der Wiedervereinigung wurde nun die „eigenständige Nation DDR“ propagiert und so getan, als wäre die BRD beliebiges Ausland. Dementsprechend tauchte letztere in der fiktionalen Film- und Fernsehproduktion der DDR fortan nur noch selten auf. Das Debakel um das Märkische Viertel, das mit großen Ambitionen gestartet, doch schnell zum sozialen Brennpunkt und weit über Berlin zum Inbegriff einer unmenschlichen Trabantenstadt geworden war, wollte sich die östliche Propaganda aber nicht entgehen lassen.

Die Handlung dieses Fernsehfilms nimmt ihren Ausgang bei Protesten gegen die Schließung des einzigen Jugendzentrums im Märkischen Viertel. In einer Kurzschlusshandlung erschießt ein junger Spitzel des Verfassungsschutzes, zugleich Sohn eines Stadtrats, einen Jugendlichen aus einer benachbarten Obdachlosensiedlung. Polizei und Justiz wollen den Fall lautlos erledigen und machen den Bruder des Getöteten, der Aufklärung verlangt, selbst zum Täter, wozu ein Sozialarbeiter und ein Fernsehjournalist beitragen.

Vorgeblich orientiert an wahren Begebenheiten, zeigt der Schwarzweißfilm aus der TV-Reihe „Kriminalfälle ohne Beispiel“ West-Berlin wieder einmal als Ort voll Elends und krasser sozialer Unterschiede, in dem die herrschenden Kreise alle unter einer Decke stecken und man angesichts schießfreudiger Ordnungshüter seines Lebens nicht sicher ist. Unter der Regie des Krimispezialisten Helmut Krätzig wird die Polizeiarbeit allerdings so unrealistisch gezeigt, dass man an stille Sabotage des Propagandastückes denkt. Was das Treiben von Spitzeln und einer gelenkten Justiz angeht, vertrauten die Filmemacher ein weiteres Mal darauf, dass die Zuschauer in der DDR keine Parallelen zu den Verhältnissen zogen, unter denen sie lebten.
(Brotfabrik Kino)

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1975, 81 min

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