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Mistaken for Strangers

Matt Berninger ist Leadsänger der Indierockband The National. Sein Bruder Tom ist Amateur-Horrorfilmer, findet Indierock eine ziemliche Angeberei. Doch begeistert sind beide von der Idee, Tom könne die High Violet-Tour dokumentieren.

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Filmemachen als Form der Selbsttherapie stand bei Tom Berninger, dem kleinen Bruder von The National-Frontmann Matt, sicher nicht auf der Tagesordnung. Vielmehr, so scheint es, stolperte er zu diesem filmischen Unterfangen, dass als Doku über die derzeit gehypteste Indie-Rockband beworben wird. Dabei verbirgt sich hinter MISTAKEN FOR STRANGERS vielmehr eine amüsante Familiengeschichte. Die Beziehung zwischen den beiden ungleichen Brüdern wird zum eigentlichen Treibstoff für den Film.
»Alpha-Männchen« Matt Berninger engagiert seinen kleinen Bruder, Heavy Metal-Fan und Luftikus, als Roadie für eine Welttour. Der nimmt dankend an und packt die Kamera mit ein. Bislang hat »Underdog« Tom eher Amateur-Horrorfilme gedreht, etwa über einen amoklaufenden Barbaren in der Identitätskrise. Nach den ersten Minuten, die von MISTAKEN FOR STRANGERS vorüberziehen, glaubt man auch, dass Matt Berninger irgendwann der Kragen platzt, so wahl- und ideenlos stammelt Tom die Fragen für ein Interview zusammen und so unfähig ist er als Roadie.
Der Film bewegt sich haarscharf entlang der Nabelschau-Grenze, die allerdings durch den trockenen Humor aufgeweicht wird. Die Bandstrukturen selbst hätten so viel mehr für das Brüderthema hergegeben. Immerhin säumen Matt Berninger die Brüder Bryan und Scott Devendorf sowie die Zwillinge Aaron und Bryce Dessner. Dass der Film ausgerechnet jetzt ins Kino kommt, wo The National vom Kritikerliebling zum Mainstream-Act mutiert sind, der sogar in die Berliner Max-Schmelling-Halle einlädt, hinterlässt dann doch einen faden Beigeschmack. Auch, weil diese private Brudergeschichte keineswegs für ein Mainstreampublikum taugt. Bespickt mit ein paar unterhaltsamen The National-Anekdoten und Auftritten will man sich nicht ganz dem Eindruck entziehen, dass hier eine Werbemaschinerie in Gang gesetzt wurde, die so gar nicht mit der melancholisch-schönen Musik von The National einhergeht.

Eileen Reukauf

Details

USA 2013, 75 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Tom Berninger
Drehbuch: Tom Berninger, Matt Berninger
Kamera: Tom Berninger
Schnitt: Matthew Hamachek, Tom Berninger
Verleih: Neue Visionen
FSK: 12
Kinostart: 10.07.2014

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