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INDIEKINO BERLIN: Filmkritik Meister der Träume
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Meister der Träume

Actionfilmen in Afghanistan

Salim Shaheen ist der erfolgreichste Filmproduzent Afghanistans. Die sonst als französische Afghanistankorrespondentin arbeitende Sonia Kronlund begleitet Shaheen bei der Produktion seiner No-Budget-Action-Streifen, die von Bollywood ebenso inspiriert sind, wie von Sylvester Stallone.

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Auch die eifrigsten (westlichen) Filmfans bekommen die Produktionen von Salim Shaheen kaum je zu Gesicht. Und das, obwohl Shaheen inzwischen weit über 100 Filme gedreht hat. Allerdings in Afghanistan, unter oft obskuren und abenteuerlichen Umständen, inmitten eines wechselvollen Schicksals zwischen Russen und Mudschaheddin, Taliban und Amerikanern. Es ist ein Eskapismuskino, das sich an Bollywood genauso orientiert wie an Sylvester Stallone, ein No-Budget-Actionkino aus einem leidgeplagten Land. Sonia Kronlund, die als französische Afghanistankorrespondentin sonst von Krieg, Anschlägen und Bluttaten berichtet, begleitet Salim Shaheen bei der Produktion mehrerer Filme. Denn damit, einen nach dem anderen zu drehen, gibt sich Shaheen, der so exzentrische wie enthusiastische Produzent, Regisseur, Autor und Darsteller, nicht ab: Ein Wasserfall dient nicht nur als Kulisse für eine schnell zusammengekloppte Musicalnummer, sondern wird mit einem Kameraschwenk auch gleich als möglicher Hintergrund für diverse weitere Filme aufgenommen. Und die Kalaschnikows der Sicherheitspolizei inklusive scharfer Munition werden kurzerhand für eine Actionszene benutzt. So gibt Kronlund auf völlig ungewohnte Weise Einblicke in die afghanische Kultur, in die Männerwelt, die auch das Filmschaffen prägt, in die stets prekäre Sicherheitslage – und in die fröhliche Moral, die Shaheens Filme verbreiten: Was passiert, passiert; und irgendwie geht es immer weiter. Das führt zu oft absurden und urkomischen Szenen – und zu einer beklemmenden Situation, wenn Shaheen und sein Team an damals denken, als eine todbringende Granate am Set einschlug.
Man sieht MEISTER DER TRÄUME – und will die Filmträume des Meisters sehen. Eine Möglichkeit bietet sich im Brotfabrik Kino, das vom 4. - 6.5. immer um 22.15 Uhr Shaheens SALIM-SHAHEEN-DOUBLE-FEATURE zeigt.

Harald Mühlbeyer

Details

Originaltitel: Nothingwood
Frankreich/Deutschland 2017, 85 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Sonia Kronlund
Drehbuch: Sonia Kronlund
Kamera: Alexander Nanau, Eric Guichard
Schnitt: Sophie Brunet
Verleih: Temperclay Films
FSK: 12
Kinostart: 03.05.2018

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