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Mein Ende. Dein Anfang.

Vorwärts-Rückwärts-Film

Eine Physikvorlesung, eine Liebesgeschichte, eine Trauergeschichte, ein Thriller, eine Tragödie. Nora fehlt Aron, und Mariko Minoguchi webt in ihrem Debütfilm ein komplexes Netz aus Erinnerungen und Ahnungen.

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Déja-vus, Erinnerungen an die Zukunft, divergierende Gravitationsfelder – Aron hält seine Antrittsvorlesung an der Uni, aber gerade, wenn man sich als Zuschauer eingerichtet hat in den Bereichen des Physikalischen, die ins Philosophische und ins Mystische reichen, biegt der Film ab in eine wunderschöne Liebesgeschichte: Aron und Nora, mit ihren Vorwärts-Rückwärts-Namen, sind verliebt, auf dem Weg in ein glückliches Leben. Und dann kommt wieder alles anders. Und Nora trauert. Allein schon in diesen Sequenzen einer einsamen, traumatisierten jungen Frau zeigt sich die Souveränität von Mariko Minoguchi, die hier ihr erstaunliches Debüt vorlegt: ein emotionaler, intelligenter und durchweg klug inszenierter Film, in dem das Glück und der Tod so eng beieinanderliegen.
Zufall und Schicksal haben ihre Finger im Spiel: Nora und Aron, die perfekt zueinander passen, werden auseinandergerissen, und dann tritt da ein neuer Mann in Noras Leben. Aus Erinnerungen und Ahnungen, aus kleinen Gegenständen und Gesten – wie einem Kinderarmband und Fingerschnipsen – webt Minoguchi ein komplexes Netz aus Verweisen und Rückschauen, enthebt ihren Film der Liebesgeschichte hin zum Trauerdrama, zum Thriller, zur schicksalhaften Tragödie. Wie leicht ihr dieses Erzählen ist, erstaunt; dass sie weder in die Falle des Klischees noch in die der philosophischen Überfrachtung gerät, beinahe noch mehr. Saskia Rosendahl spielt auf ätherische Weise die Hauptrolle, mit subtiler Mimik gibt sie sich den Gefühlen hin; Edin Hasanović, zwischen Bedrücktheit und Entschlossenheit, wird zur verzweifelten Tat getrieben. Und Julius Feldmeier bringt als Aron Momente des Glücks und der Liebe in den Film, auch wenn diese längst schon vergangen sind. Aber vielleicht gibt es im Film wie im Leben ja doch eine Gleichzeitigkeit der Zeit und ein Immer statt eines Nacheinander.

Harald Mühlbeyer

Details

Originaltitel: Mein Ende. Dein Anfang. – Relativity
Deutschland 2019, 111 min
Sprache: Deutsch
Genre: Drama
Regie: Mariko Minoguchi
Drehbuch: Mariko Minoguchi
Kamera: Julian Krubasik
Schnitt: Andreas Menn
Musik: Jack Ritchie
Verleih: Telepool
Darsteller: Saskia Rosendahl, Edin Hasanovic, Julius Feldmeier
FSK: 12
Kinostart: 28.11.2019

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