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Maysoon

Freiheit in Scherben

Mit ihrem Spielfilm berührt die Berliner Regisseurin Nancy Biniadaki wunde Punkte im Leben einer Frau mit einer gewaltvollen Migrationsgeschichte, die sich im neuen Land allenfalls geduldet fühlt.

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Ägyptologin Maysoon (Sabrina Amali) stammt aus Alexandria und musste nach dem Arabischen Frühling und dem Beginn der dortigen Militärdiktatur ihre Heimat verlassen. Sie lebt seit 10 Jahren in Berlin, als sie erfährt, dass Tobi (Florian Stetter), Vater ihrer Kinder, sie betrogen hat. Noch dazu läuft ihr Pass bald ab, ihr Aufenthaltsstatus ist ungewiss. All die Frustration, die sie bisher aus Liebe und Not tief in sich vergraben hatte, kocht hoch. All die Opfer, die sie für ihre Kinder, ihren Mann und ihre eigene Freiheit bringen musste, die nun in Scherben vor ihr liegt – diese Verletzungen sind jetzt keine Narben mehr, sondern bluten wieder.

Mit ihrem Spielfilm MAYSOON berührt die Berliner Regisseurin Nancy Biniadaki wunde Punkte im Leben einer Frau mit einer gewaltvollen Migrationsgeschichte, die sich im neuen Land allenfalls geduldet fühlt. In spannungsvollen, mit Symbolkraft aufgeladenen Bildern legt der Film ihre unter Alltäglichem vergrabene Zerrissenheit frei. Immer wieder wird Maysoon von ihren Gefühlen überschwemmt und gibt die Gewalt, die sie selbst erfuhr, an ihre Umgebung weiter. Ihre Hassliebe zu Tobi steht ebenso für ihr zwiespältiges Verhältnis zu Deutschland wie die schwierigen Beziehungen zu weißen deutschen Frauen in ihrem Umfeld, bei denen sie Halt sucht und die ihr in den Rücken fallen. Ihr Verhältnis zu anderen Ägypter*innen ist so von Schuldgefühlen überlagert, dass sie auch dort keinen Trost findet. Hoffnung auf Versöhnung gibt es nur mit bitterem Beigeschmack. Dennoch: Allein für die schauspielerische Leistung von Amali und die herausragende Szene, in der eine großmütterliche Vertraute im Beauty-Salon Maysoons Hände mit Henna verziert und dabei ihre Lebensweisheit mit ihr teilt, lohnt es sich, das schwere Päckchen zu schultern, das der Film seinen Zuschauer*innen anvertraut.

Eva Szulkowski

Details

Deutschland/Griechenland 2025, 125 min
Genre: Drama
Regie: Nancy Biniadaki
Drehbuch: Nancy Biniadaki
Schnitt: Panos Voutsaras
Musik: Thalia Ioannidou
Verleih: Grandfilm
Darsteller: Sabrina Amali, Florian Stetter, Susanne Bormann, Zoë Valks
Kinostart: 19.03.2026

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