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Maternal

Mutterbilder

In einem religiösen Zentrum in Buenos Aires prallen Mütterbilder aufeinander: Die Ordensschwestern leiten das Kloster unter strenger Aufsicht, und ermöglichen alleinerziehenden Müttern wie Lu und Fati Unterkunft und Versorgung.

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Der Tisch ist übersät mit Spielzeug, Bauklötzen und Plastikteilen, dazwischen soll gegessen werden. Kleinkinder und Babies stürmen umher, die Geräuschkulisse ist schrill. In Maura Delperos MATERNAL leben junge Mütter mit älteren Nonnen in einem religiösen Zentrum in Buenos Aires: Die Ordensschwestern leiten das Kloster unter strenger Aufsicht, und ermöglichen alleinerziehenden Müttern wie Lu und Fati Unterkunft und Versorgung. Die meisten Frauen dort sind Teenager mit Babies oder schwangere Minderjährige. Die Schwester Paola schließt sich dem Heim an, um dort ihr letztes Gelübde abzulegen: eine junge Frau, die sich dazu entschlossen hat, niemals Kinder zu bekommen.
Es prallen sofort Mutterbilder aufeinander: die Schwestern mit ihrer ausgestellten Fürsorge, die in den langen Gängen an Heiligenstatuen entlanghuschen, und die rauchenden Frauen in Hotpants, die lasziv zu Cumbia tanzen. Auf der einen Seite strenge Gesichter und weiße Kleider, auf der anderen gewaxte Beine und Lidstrich. Als die junge Lu verschwindet und ihre Tochter Nina zurücklässt, nimmt sich Paola des kleinen Mädchens an.
Delpo, die bisher Dokumentarfilme gemacht hat, erzählt das alles höchst unaufgeregt, in ruhigen Einstellungen, die die langen Flure des Klosters durchstreifen. Der Konflikt zwischen den Verpflichtungen einer Nonne und den doch aufkeimenden Muttergefühlen bei Paola ist so deutlich gezeichnet, dass er wenig überraschen kann. Toll sind die Darstellerinnen, allen voran Agustina Malale als Lu, deren Jugendlichkeit ihr noch ins Gesicht geschrieben steht und nicht ganz zu dem Bild passen mag, das sie von sich selbst hat – keine makellose, aber eine liebende Mutter, die ihre Tochter großziehen kann. Von den Nonnen lernen die Kinder immer wieder von der „Modellfamilie“: Mutter, Vater, Kind, genauer, Maria, Josef, Jesus. Dass es Liebe auch in anderen Modellen gibt, zeigt MATERNAL auf seine Weise.

Lili Hering

Details

Italien/Argentinien 2019, 91 min
Sprache: Spanisch, Italienisch
Genre: Drama
Regie: Maura Delpero
Drehbuch: Maura Delpero
Kamera: Soledad Rodríguez
Schnitt: Ilaria Fraioli, Luca Mattei
Verleih: missingFILMs
Darsteller: Lidiya Liberman, Denise Carrizo, Agustina Malale, Isabella Cilia
Kinostart: 10.12.2020

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