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Manuscripts Don’t Burn

Iranischer Klartext

Der iranische Regisseur Mohamed Rasoulof wurde 2010 verhaftet und zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. MANUSCRIPTS DON’T BURN drehte er heimlich, während er auf den Vollzug seiner Strafe wartete. Der Film wurde auf einem USB-Stick außer Landes geschmuggelt. In MANUSCRIPTS DON’T erteilt ein Zensor zwei Bütteln des Regimes den Auftrag, zwei Dissidenten aus dem Weg zu räumen.

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Von der Euphorie der Proteste im Jahr 2009 gegen die Eliten Irans ist hier nichts mehr zu spüren. Die Menschen scheinen sich in ihre Wohnungen zu verschanzen, auf den Straßen fahren sie voneinander abgeschirmt in ihren Autos nebeneinander her. Ein Land im Tiefschlaf, unter dem Daumen eines theokratischen Mohammad Regimes, das jeden Widerstand im Keim erstickt.. Zwei Erzählstränge lässt Rasoulof minutiös aufeinander zulaufen. Zum einen geht es um zwei Regime-Handlanger, der eine tumb und linientreu, der andere mit einem Rest Zweifel, der vor allem Geld für die Behandlung seines kranken Sohnes benötigt. Zum anderen sind da die letzten Intellektuellen - im Kampf um Bürgerrechte alt und schwach geworden und auch ein wenig desillusioniert. Einer von ihnen lässt selbst im Rollstuhl noch nicht ab: Ein letzter Roman soll das Regime enttarnen. Ein aasiger Zensor, früher selbst Regimekritiker, heute ein 150%er Bürokrat, setzt die beiden Söldner darauf an, die ergrauten Herren aus dem Weg zu schaffen, bevor das Manuskript in Umlauf kommt.
Ein gedämpfter Film von trügerischer Ruhe. Rasoulof, ein Vertrauter Jafar Panahis, harrt selbst seit Jahren der Vollstreckung einer Haftstrafe. Übte er in seinen frühen Filmen Kritik noch über den Umweg verklausulierter Allegorie, spricht er seit seiner Verhaftung 2010 zunehmend Klartext. In dieser Entwicklung stellt MANUSCRIPTS DON’T BURN eine konsequente Zuspitzung dar. Betont kunstlos legt er die gewalttätigen Mechanismen des iranischen Regimes schonungslos frei. In gewisser Hinsicht erzählt der Film damit auch von seiner eigenen Entstehung: Unter dem Radar der Behörden gedreht, wurde MANUSCRIPTS DON´T BURN per USB-Stick außer Landes geschmuggelt, zu ihrem Schutz sind Cast und Crew im Abspann anonymisiert. Ein wuchtiges Statement nach einem Film, der Wucht nicht aus affektiver Überhöhung, sondern allein aus dem, was er zeigt, gewinnt.

Thomas Groh

Details

Originaltitel: Dast-neveshtehaa nemisoosand
Iran 2013, 125 min
Genre: Drama
Regie: Mohammad Rasoulof
Drehbuch: Mohammad Rasoulof
Verleih: Peripher Filmverleih
Kinostart: 13.08.2015

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