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Manche mögen's falsch

Wundersame Kopier-Welt

Gerhard Richter für 50 Dollar, Lucian Freud für 200, wahrscheinlich weil das Format größer ist. Rembrandt immerhin 1000 Dollar. Stanislaw Mucha taucht ein in die wundersame Kopie-Welt von Dafen, wo alles falsch ist, aber zugleich echt und original hergestellt.

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China, Shenzhen, Stadtteil Dafen: das Ölmalerdorf. Hier läuft es wie geschmiert: Ölgemälde am laufenden Band, nachgemalt nach meist westlichen Vorbildern. Klassiker von Da Vinci und Rembrandt und Caravaggio und van Gogh. Modernes von Polke und Freud und Richter. An den Wänden hängen Popikonen und Politiker, meist Mao Tse Tung und Xi Jinping. Es gibt Werkstätten und Ateliers und Großstudios, und organisiert ist alles als industrieller Betrieb: die Anfertigung von Kopien im Akkord, als Massengeschäft. In Öl.

Gerhard Richter für 50 Dollar, Lucian Freud für 200, wahrscheinlich weil das Format größer ist. Rembrandt immerhin 1000 Dollar, ist ja ein Goldhelm, und Sonnenblumen à la Vincent kosten 700, mit Mengenrabatt 3000 Dollar. Im Supermarkt gibt es Gemälde zum Kilopreis. Corona hat eine Flaute gebracht, die Großbestellungen aus Europa und USA blieben aus; inzwischen gibt es wieder Orders an die Malfabriken: aus Saudi-Arabien für 250.000 Euro, Mexiko will 100.000 Bilder, Australien 300.000.

Kann man diesen Zahlen trauen? Stanislaw Mucha taucht ein in die wundersame Kopie-Welt von Dafen, wo alles falsch ist, aber zugleich echt und original hergestellt. Wo die Maler nach dem Handydisplay ihre Werke fabrizieren, wo einer auch aus Respekt vor dem Künstler in dessen Namen unterschreibt. Wo „Fälschung“ und „Original“ ganz andere Bedeutungen haben als in der westlichen Sichtweise. Mit feiner Ironie schildert Mucha diese Bildermassenfertigung, lässt die Künstler zu Wort kommen, die andere Künstler perfekt nachbilden, lässt uns das chinesische Mindset von der Kopie als Verehrung vor dem Original kennenlernen. Das ist höchst unterhaltsam – und kann einem zu denken geben, nicht nur hinsichtlich Kunstwerk, Reproduzierbarkeit, Aura des Originalen. Auch industriewirtschaftlich hat sich China, Stichwort E-Auto, am Westen orientiert. Und überholt …

Harald Mühlbeyer

Details

Originaltitel: Manche mögens falsch
Deutschland 2025, 90 min
Sprache: Deutsch, Chinesisch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Stanislaw Mucha
Drehbuch: Stanislaw Mucha
Kamera: Marcus Winterbauer
Schnitt: Nicole Winterbauer
Verleih: W-Film
Kinostart: 06.11.2025

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Manche mögen's falsch

(Manche mögens falsch) | Deutschland 2025 | Dokumentarfilm | R: Stanislaw Mucha

Gerhard Richter für 50 Dollar, Lucian Freud für 200, wahrscheinlich weil das Format größer ist. Rembrandt immerhin 1000 Dollar. Stanislaw Mucha taucht ein in die wundersame Kopie-Welt von Dafen, wo alles falsch ist, aber zugleich echt und original hergestellt.

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